Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1363316
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und ein Christus nie zu erhaben (largestellt werden können; wenn 
aber in grossen Gemälden alle Personen von niederster bis höch- 
ster Stufe in schönem oder edlem Typus gehalten sein wollen, so 
fangen an Naehtheile spürbar zu werden, auf die im 27. Ab- 
schnitt Gelegenheit sein wird näher einzugehen. Meines Erach- 
tens wird die S. 58 gegebene Regel, nur an das in der Vorstellung 
ldeale eine ideale Darstellung zu wenden, wie es zur Charakteristik 
des Idealen selbst gehört, immer als Ilauptregel festzuhalten sein, 
wenn schon sie zugestandenermassen nach untergeordneten Be- 
ziehungen auch nachgeben darf; aber nur nach untergeord- 
ne te n. Wenn man hiegegen untergeordnete Personen wie Haupt- 
personen behandelt, so ist diess vielmehr eine Ilauptabweichung 
von der Regel. 
Hier und da freilich geräith man durch Aufstellung oder An- 
wendung solcher Principien in Gefahr, einfach dem Spruch zu 
verfallen: nder Jude Wird verbrannte. 
Kunstwerke giebt es, die ausnehmend charakteristisch für 
einen Gegenstand sind, den sie eigentlich nicht darstellen sollen; 
was von einer Seite eben so sehr gefallen kann, als es von andrer 
Seite missfallen muss, und im Ganzen als ein Fehler anzusehen ist; 
ein Fehler, über den freilich manche Kenner hinwegsehen, denen 
genügt, dass nur überhaupt etwas charakteristisch dargestellt 
sei. Ein merkwürdiges Beispiel der Art bietet das, in neuerer 
Zeit mehrfach besprochene, sog. Schwartz'sche Votivbild des iilte- ' 
ren Helbein darji") Hier sitzt Gott Vater auf einer Art Grossvater- 
stuhl über Wolken als ein abgelebter Alter mit einem ganz runz- 
ligen, halb griimlichen halb gutmüthigen, alles idealen Typus, 
aller Würde ermangelnden, Gesichte da. Nichts kann charakte- 
ristischer sein bei Beziehung der Darstellung auf einen derartigen 
menschlichen Greis, wie es denn unstreitig eine, mit vollster NVahr- 
heit aus dem Leben gegriffcne, Portraitdarstellung ist, welche als 
solche in hohem Grade interessirt; nichts kann weniger charakte- 
ristisch sein, wenn man sich Gott darunter vorstellen soll, ja 
man findet sich dadurch empört, dass man es doch soll. Einen iihn- 
liehen Fall bietet das Christkind in den Armen der berühmten 
Madonna des jüngern Helbein dar, wenn es niimlich wirklich ein 
(lhristkind vorstellen soll, wie die Kenner durchaus verlangen, inv- 
ü) Eine kunstliislorisclme 
in Weigels Archiv 1870. 4. 
Besprechung (lieses 
ldes von mir findet sich
        

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