Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1363292
nach dem engern Sinne derselben den andern gegenüberstellen 
soll, kommt darauf an, ob das Interesse der Betrachtung vielmehr 
das der Zusammenfassung oder Gegenüberstellung ist. Wo die 
Gegenüberstellung statt findet, ist sie jedenfalls in vorigem Sinne 
zu verstehen.  
Fragt man also, 0b die Kunst mehr auf Schönheit oder Cha- 
rakteristik gehen soll, so sagt diese Frage nichts Anderes, als: soll 
die Kunst das Gefallen an ihren Werken vielmehr durch Momente, 
die abgesehen von Charakteristik das Gefallen daran bedingen, wie 
dieWohlgefälligkeit des Gegenstandes an sich, oder durch die Cha- 
rakteristik zu erzeugen suchen? Aber diese Frage so allgemein 
gethan lässt nur die eben so allgemeine Antwort zu: Die Kunst 
soll überhaupt durch jede Bedingung des Gefallens wirken, wo und 
so Weit eine jede Platz finden kann, jede aber soll im Conllict mit 
andern so weit zurücktreten, dass doch der grösstmögliche Vor- 
theil des Gefallens im Ganzen dadurch erreicht wird, und die Cha- 
rakteristik macht hievon keine Ausnahme. Insofern sie aber nach 
ihrer Beziehung zur Wahrheit eine positive liauptbedingung höhe- 
ren und rechten Gefallens und. durch Verhütung der Monotonie 
eine nicht minder wichtige negative Bedingung desselben ist, wird 
sie überhaupt keine starke Verletzung dulden, ohne dass der Ver- 
lust grösser als der Gewinn ist. 
Gewiss ist, dass es Kunstwerke gieht, die hauptsächlich durch 
ihre Charakteristik ansprechen, und dass es andere gieht, die mehr 
durch Schünheitsbedingungen abgesehen von Charakteristik an- 
sprechen; und man sieht nicht ein, warum es nicht sowohl diese 
als jene geben soll, da sich nun einmal nicht alle Bedingungen der 
Schönheit in gleichem Grade vereinigen und zu gleichem Grade 
steigern lassen. 
Cornelius freilich,  um nur einer Hauptautorität von (lieser 
Richtung das Wort zu leihen  hat unter den Regeln, die er sei- 
nem Schüler Max Lohde als eine Art Vermiichtniss hinterlassen, auch 
die: nSlFChOTl Sie mehr nach der Schönheit als nach der Charakte- 
ristik. Oft wirkt ein einfach schönes Antlitz mehr, als alle Beto- 
nung des Individuellenßfif) 
ildenden Kunst 
Schönheit und 
ü) Aehnlich als mit Schönheit und Charaklerislik in der hih 
verhält es sich in dieser Beziehung nach Abschnitt. XV mit S 
Zweckmäßigkeit in der Baukunst. 
H) K. v, Lützows Zeitschr. f. bild. K. 4868. S. 86. 
Fechner, Vurschule d. Aestheiik. II.  5
        

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