Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1363268
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meine zu berichtigen, wird er seines" Zweckes verfehlen, wenn er 
sich in seiner Darstellung vielmehr an die wissenschaftliche als ge- 
läufige Vorstellung hält, indem der Vorstellungswiderspruch, den 
er vermeiden soll, vielmehr dadurch entsteht. In der That kommen 
Conflicte der Art vor, und es wird Gelegenheit sein, hierauf zu- 
rückzukommen. 
Als der vorstehende Abschnitt schon zum Druck gegeben war, kam mir 
erst das kürzlich erschienene Schriftchen von Konrad Ficdler vUeber die Be- 
urtheilung von Werken der bildenden Kunst, Lpz. Hirzel 4876m zur Hand, 
was mir dadurch ein eigenthümliches Interesse erweckt hat, dass es so zu 
sagen in jedem Puncte den, in diesem und so manchen früheren Abschnitten 
aufgestellten, Ansichten widerspricht. Nun rührt das Schriftchen von einem, 
nicht nur privatim in Kunstkreisen sehr geschätzten und selbst die Kunst 
federnden, Kunstfreunde und Kenner her, sondern ist auch, wie mir bekannt, 
von andern Kennern wie Künstlern in günstigster Weise aufgenommen wor- 
den, und hat eine uneingeschränkt rühmende Besprechung in der Augsb. 
allg. Zeit. 4876. Beil. N0. 68 erfahren, ja wird darin als von fundamentaler 
Bedeutung für die Kunsthetrachtung erklärt; begegnet sich auch wesentlichst 
mit den Ansichten jenes andern Kunstfreundes, derenich oben gedachte; und 
giebt mit all' dem einen nicht uninteressanten Beitrag zur Charakteristik der 
jetzt herrschenden Kunstansichten. Also mögen wenigstens einige Vergleichs- 
puncte mit unsern eigenen Ansichten, worin sich der Gegensatz besonders 
geltend macht, einfach aus dem Schriftchen hervorgehoben werden, da sich 
eine vollständige Analyse desselben hier nicht geben lässt. 
Auch nach dem Verf. lassen sich die Abweichungen der Kunst von der 
Natur nur aus der Kunst selbst verstehen und beurtheilen: nDÜG Kunst ist 
auf keinem andern Wege zu finden, als auf ihrem eigenem (S. 27). Regeln, 
wonach die Leistungen der Künstler zu beurtheilen, sind überhaupt zum 
Voraus gar nicht zu geben. uDas Verständniss kann den Leistungen des 
Künstlers immer nur nach- niemals vorauseilen, und weiss nicht, welche 
Aufgabe ihm die künstlerische Thätigkeit der Menschen in Zukunft noch 
stellen wirdm Hienach fallt die ganze Auseinandersetzung von Vortheilen und 
Nachtheilen der Abweichungen der Kunst von der Natur, auf die oben ein- 
gegangen ist, eben so wie nach der Ansicht des obigen Kunstfreundes, von 
selbst weg; und wenn man nicht wird leugnen können, dass solche factisch 
bestehen, und sich aus den angegebenen Gesichtspuncten verstehen lassen, 
so würde doch im Sinne des Verf. eine Rücksichtsnahme daraufden Künstler wie 
Beschauer und Beurtheiler vom rechten Wege der Leistung und Betrachtung 
nur abführen. Der Künstler soll vielmehr rücksichtslos auf alle ihm zum 
Voraus zu gebenden Regeln im Drange einer inneren Nöthigung (S. 47-54) 
aus einer, ihn vor den Kunstlaien auszeichnenden, Anschauungsweise heraus 
produciren (S. 42. 50'. 56), und der Kunstgeniessende nur in sofern den 
rechten Kunstgenuss haben, als er die Thätigkeit des Künstlers in sich zu 
reproduciren vermag (S. 64). Das Eigenthümliche des Bewusstseins oder 
der Anschauung aber, aus welcher der Künstler producirt, bestehe darin,
        

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