Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1365249
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ins Spiel. Theils das Grundmoment der Vorstellungs-Lust und 
Unlust, vermöge dessen wir überhaupt lieber Glück als Unglück 
um uns sehen, theils das Bewusstsein oder Gefühl, dass unser 
Wohl und Wehe mit dem von Andern zusammenhängt, in welcher 
Hinsicht das Gesetz gilt, dass wir Lust und Unlust respectiv an der 
Lust und Unlust dessen haben, dessen Dasein zu unsern eigenen 
Lustbedingungen gehört, umgekehrt bezüglich dessen, dessen 
Dasein zu unsern Unlustbedingungen gehört, Gefühle, die in der 
Liebe, dem Hass, der Rache ihre Bolle spielen. Endlich kann uns 
in früher hesproehener Weise (S. 234) der Contrast unsrer Lust 
oder Unlust mit der grössern oder, kleinern Lust oder Unlust Andrer 
in der Art beschäftigen, dass daraus ein sccundärer Zuwachs 
unsrer eigenen Lust oder Unlust hervorgeht. 
Wie ist die Lust so Mancher an der Grausamkeit zu erklären? 
Einmal kann dem Grausanien die Qual Audrer nur in negativem 
Bezüge zu ihm selbst und sein eigner leidl0sei' Zustand in (JQnLraSL 
damit erscheinen; hat doch der Grausame selber nicht die Qual, 
der Andre hat sie. Doch darauf kommL vielleicht hiebei nicht viel 
an; zweitens aber kommt hier die Lust an starken reeeptiven Er- 
regungen, wovon wir früher gesprochen, in Betracht; so dass es 
grausame Menschengegeben, die ohne Hass und Rache ihre Lust 
am der Qual Andrer gefunden haben. 
XLII. 
Princip 
Mitte. 
der ästhetischen 
Wenn ein Gegenstand zufälligen Abänderungen der Grösse 
oder Form für unsere Anschauung unterliegt, so scheint unter 
sonst gleichen Umständen der mittlere Werth ästhetischer- 
seits bevorzugt, oder erscheint mit dem Charakter vorwiegendei- 
Wohlgefäilligkeit als Normalwerth gegen die übrigen, indess diese 
nach Massgabe ihrerAbweichung vom mittlern minder wohlgefällig 
und bei Ueberschreitung gewisser Gränzen selbst misslällig er- 
scheinen können. 
lch glaube freilich nicht, dass genau das a ri Llnnebische Mittel 
dieser Normalwerlh sei, sondern der Werth, von dem die Abwei- 
chungen um so seltner werden, je grösser sie in Verhälmiss zu dem- 
selben sind, und den ich im 33. Ahschn. bei Betrachtung der Ge-
        

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