Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1365234
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diese oder jene Lustquelle versagt ist, also in negativem Bezuge zu 
uns steht; aber dann ist es entweder für un s keine Lustquelle, 
oder ihre Erreichung kommt in Conllict mit Bedingungen, auf die 
sich die positive Erhaltung unsres Lustzustandes im Uebrigen grün- 
det, oder überhaupt mit andern überwiegenden Lustbedingungen. 
Ob bei dem Gedanken an unsre eigne vergangne oder zukünf- 
tige Lust oder Unlust der positive oder negative Bezug überwiegt, 
hängt im Allgemeinen an Bestimmungsgründen, die in unserm übri- 
gen Vorstellungskreise liegen, und lässt sich einer Obmacht dieser 
Bestimmungsgründe gegenüber nicht erzwingen, daher das Glück 
der Vorstellungslust nicht erzwingen. Wenn wir wissen, dass eine 
Lust für uns nicht erreichbar ist, so kann sich der positive, Vor- 
stellungsbezug, dass wir sie haben wertlen, nicht geltend machen; 
und sind wir überhaupt im Zuge unlustvoller Vorstellungen be- 
griffen, so wird sich auch die Vorstellung an vergangenes Glück 
leichter mit der Unlust, dass wir es nicht mehr haben, als der Lust, 
dass wir es gehabt haben, diesem Zuge einfügen. DerUmstand selbst 
aber, dass es uns lustvoller ist, zu hoffen als zu fürchten, über- 
haupt den positiven vor dem negativen Bezuge der Lust zu bevor- 
zugen, macht, dass wir jene wirklich im Allgemeinen bevorzugen, 
wo keine oder nur verhältnissmässig schwache gegenwirkende 
Momente vorhanden sind, begünstigt unsere Hoffnungen, bestimmt 
unsere Antriebe, und spielt eine wichtige Rolle in unseren religiö- 
sen Glaubensansichten, indem wir im Allgemeinen vorziehen, das 
zu glauben, was uns am meisten zusagt zu glauben, so lange nur 
eben keine überwiegenden Gegenmotive sich geltend machen; ja 
selbst starke theoretische Gegenmotive können dadurch überboten 
werden. 
Zwar giebt es Melancholiker und Pessimisten, welche Alles 
schwarz sehen oder den Glauben an eine schlechte Weltordnung 
vorziehen. Aber bei dem Melancholiker werden die Vorstellungen 
von seinen unlustvollen subjectiven Empfindungen mit inficirt, und 
der Pessimist ist, meist durch traurige Erfahrungen, die er selbst 
gemacht oder die seine Aufmerksamkeit vorzugsweise in Anspruch 
genommen, zu seiner ungünstigen Ansicht von der gesammten 
Weltordnung geführt worden. Beidesfalls liegt ein Conilict vor, in 
welchem das Grundmoment der Vorstellungslust den Kürzern zieht. 
Handelt es sich um die Vorstellung der Lust oder Unlust 
Andrer, so kommen unstreitig verwickelte psychologische Momente 
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