Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1365115
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einen Zustand kommt, der sich durch ein gleichbleibendes oder 
wenig oscillirendes Gefühl des Kraftaufwandes charakterisirt. Ist 
ein solcher Zustand eingetreten, so ist es abgesehen von der lust- 
vollen oder unlustvollen Beschaffenheit, welche der Beschäftigung 
an sich selbst zukommen kann, im Sinne der Lust, ferner darin 
zu beharren, so lange die Beschäftigung in derselben Art nicht 
über eine solche Gränze hinaus gedauert hat, von der an gleiche 
active Leistung nur mit dem Gefühl grösserer Anstrengung voll- 
zogen vvird, gleiche receptive Wirkung nur bei stärker angespannter 
Aufmerksamkeit zu Stande kommt. Hiegegen ist es im Sinne der 
Lust, die Art und das Organ der Thätigkeit zu wechseln, wenn 
diese Gränze überschritten ist. Gegentheils ist es im Sinne der 
Unlust, sie früher zu Wechseln oder länger darin zu beharren, 
indem Ersteres die Unlust der Störung oder Unterbrechung, Letz- 
teres die der Ermüdung oder des Ueberdrusses mitführt. Und 
selbst bevor die Unlust der Ermüdung oder des Ueberdrusses die 
Schwelle überstiegen hat, schon bei Annäherung daran, kann sich 
ein Wechsel der Beschäftigung mit positiver Lust geltend machen. 
Ein Handwerker z. B. lässt sich nicht gern in seiner Arbeit, 
ein Gelehrter in seinem Studium stören, selbst wenn diese Störung 
durch Anlässe geschähe, die er vor dem Beginn der Arbeit, des 
Studiums, der Arbeit, dem Studium vorgezogen haben Würde, in- 
dem sich die Lust der Beharrung in der einmal in Zug gekommenen 
Beschäftigung geltend macht. Endlich wird doch der Eine wie der 
Andre derselben Art Beschäftigung überdrüssig, es will nicht mehr 
recht fort damit, er verlangt einen Wechsel, und findet sich, wenn 
nicht überhaupt ermüdet, um so aufgelegter zu etwas Anderem. 
Demnach ist überhaupt weder eine zu lange andauernde Con- 
tinuität noch ein zu rasch eintretender und oft wiederholter Wech- 
sel in der Art oder Richtung einer Beschäftigung im Sinne der 
Lust. Insofern es aber in der Natur der meisten Beschäftigungen 
liegt, eine bestimmte Art von Wechseln oder sich ablösenden Modi- 
ficationen, die sich unter einem gewissen Gesichtspuncte ver- 
knüpfen, selbst einzuschliessen, gilt das vorstehende Princip auch 
von der Unterbrechung und Fortsetzung der Beschäftigung in der 
Wieise, wie sich die Wechsel oder Modificationen verknüpfen, 
wiederholen und folgen. 
Schon bei Betrachtung des Princips der einheitlichen Ver- 
knüpfung des Maunichfaltigen ist auf das mit der Zeit eintretende
        

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