Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1365101
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Insofern wir nicht hlos receptiv (durch Einwirkung von Reizen), 
sondern auch selbstthätig activ lustvoll oder unlustvoll beschäftigt 
sein können, übertragen sich die vorigen, bezüglich der ersten Art 
von ästhetischer Beschäftigung erörterten, Gesetze auf die zweite. 
Die ästhetische Gewöhnung und Uebung spielt in allen ihren 
Stadien eine ausserordentlich wichtige Rolle bei der niedern wie 
höhern Geschrnacksbildung des Menschen, und insofern es Gewöh- 
nungen und Uebungen giebt, welche ganze Zeiten und Völker im 
Zusammenhange betreffen, wird auch der Geschmack derselben 
im Zusammenhange dadurch bestimmt. Hierüber aber ist schon 
früher (im XVlII. Abschnitt) gehandelt. 
XXXIX. 
Prineipe der Beharrung, des Wechsels 
Masses der Beschäftigung. 
und 
Princ 
der Beharrung und des Wechsels 
Beschäftigung. 
der Art 
der 
Diess Princip begegnet sich von gewisser Seite mit dem der 
Abstumpfung und Gewöhnung, von andrer Seite mit dem der ein- 
heitlichen Verknüpfung des Mannichfaltigen.  
Unter dem Principe der Abstumpfung und Gewöhnung ist 
betrachtet worden, dass Lust- und Unlustreize sich durch eine 
über gewisse Gränzen (der Frische des Eindruckes) hinaus ver- 
längerte Dauer in ihrer Wirkung abschwächen und unter Um- 
ständen selbst in den Gegensatz der Wirkung umschlagen können; 
aber abgesehen davon, ob eine Beschäftigung von vorn herein lust- 
voll oder unlustvoll ist, kann in der Dauer und dem Wechsel der 
Beschäftigung selbst ein Anlass zur Lust oder Unlust liegen, welcher 
in jenem Princip unstreitig mit ins Spiel kommt, aber weil er nicht 
auf die Wirkung von Lust- und Unlustreizen beschränkt ist, noch 
eines allgemeineren Ausdruckes bedarf, worauf wir unter obiger 
Bezeichnung folgendes Princip stützen.  
Sei es eine active oder receptive, körperliche oder geistige 
Beschäftigung, worin der Mensch begriffen ist, so bedarf es einer 
gewissen Zeit, ehe dieselbe in einen gleichbleibenden Zug, d. i.
        

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