Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1365049
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die Voraussicht des Lustgefühles der Stillung des Hungers oder 
Durstes schon während des Hungers oder Durstes selbst mit einem 
mässigen Grade desselben hinreichend zur Compensation der Un- 
lust versöhnt werden, ja sich seines Hungers oder Durstes freuen, 
und die Lust der endlichen Stillung nur als Abschluss dieser Ver- 
söhnung in einer letzten Steigerung derselben empünden, indess 
der endliche Fehlschlag der Stillung durch den Fehlschlag dieser 
Voraussicht nur um so unlustvoller wird. S0 setzen wir bei Kunst- 
werken nach den allgemeinen Zwecken der Kunst im Allgemeinen 
schon voraus, dass alle ins Spiel gebrachten an sich ungünstigen 
Eindrücke einer zufriedenstellenden Lösung entgegengehen, und 
versöhnen sie hiedurch schon unmittelbar, wodurch es möglich 
wird, dass wir überhaupt Kunstwerke trotz des Unterlaufens sol- 
cher Eindrücke mit fortgehendem Lustübergewicht verfolgen kön- 
nen, bei schliesslich fehlendem versöhnenden Abschlusse aber um 
so unbefriedigter davon bleiben. 
XXXVIII. Principe der Summirung, UebungyAbstum- 
pfung, Gewöhnung, Uebersättigung. 
Jeder, also auch ästhetische, Reiz bedarf einer gewissen Dauer 
der Einwirkung, ehe seine Wirkung überhaupt spürbar wird, was 
man als einen Erfolg des Gesetzes der Schwelle betrachten kann, 
sofern die Wirkung des Reizes sich zum Uehersteigen der Schwelle 
erst bis zu gewissen Gränzen summiren und die Empfindlichkeit 
für seine Aufnahme gestimmt werden muss. Auch nimmt-der 
Eindruck selbst bei continuirlieh gleich bleibendem Reize bis zu 
gewissen Gränzen, welche wir als die, der aufsteigenden Wir- 
kung bezeichnen können, mit der Dauer der Wirkung zu. Die 
damit erreichbar höchste Stärke des Eindrucks nennen wir kurz 
dessen volle Stärke. 
Wird die Einwirkung des Reizes in der Periode des Aufstei- 
gens, also vor Erreichung der vollen Stärke des Eindruckes, unter- 
brochen, um später von Neuem zu beginnen, so überträgt sich eine 
Nachwirkung davon auf die zweite Wirkung und verkürzt die
        

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