Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364871
Die grosse Majorität hüllt sich in schwarze oder braune Gewänder, was bei- 
nahe schon überall in den Städten die herrschende Mode geworden , denn es 
gieht, wie sonderbar es auch immer klingen mag, in der Türkei schon eine 
laedeutende Klasse , die unter hellfarbigen, grellen Anzügen immer Kabalük 
(Rauheit) oder Türlük (Türkenthtim), das mit dem ersten synonym ist, 
erblickt. Dasselbe gilt auch für die türkische Mode. Hier soll zur Zeit der 
Sassaniden Seharlachroth eine beliebte Farbe gewesen sein; doch heute ist 
sie aus allen Schichten verdrängt, und wenn gleich einfarbigen Stoffen immer 
der Vorzug gegeben wird, so sind diese doch immer bescheiden grün, gelb, 
blau oder deren Nüancen. Nur der Nomade ist der alten Sitte treu geblieben. 
Er sowohl, als auch dessen ansässiger Stamrn- und Glaubensgcnosse in Mittel- 
asien gefallen sich nur in den wildfarbigen Kleidern, und SOVJlC man im Bazar 
von Erzerum, Charput, Diabekr und Mosul zumeist nomadisircnden Kurden 
mit hellrothen Mantelsloffen, Stiefeln und Hosen begegnet, so wird man in 
nlitteltisien noch bei der höchsten Beamtenklasse es als eine Auszeichnung 
betrachten, vom Chau einen feuerrothen Tschapzitl oder Tsehoga zu erhalten, 
noch mehr aber, in solchen auf (iITentlichen Plätzen zu paradirenß 
Um unsrer Farhenverachtung gegenüber auch ein gegentheiliges Extrem 
anzufiihren , so bieten die alten Aegypter ein solches dar. In einen] Aufsatze. 
über das alte Aegypten im "Auslandeu 4868. no. 40. S. 950 findet sieh nach 
einer Speeialausführung in dieser Ilinsichl. folgende Stelle: 
nlm Heiligthum eben so wie im gewöhnlichen Leben umgab sich das Volk 
der Aegypter in so bezeichnendem ltlasse mit dem Schmuck der Farben, dass 
wir nicht zweifeln dürfen, es sei die Freude an der Bunlheit und am Grellen, 
die so ganz eigen der Kindheit zukommt, ein beslimmender Zug ihres Charak- 
t.ers gewesen. Gab es doch fast keinen Gegenstand ihres öffentlichen und 
Privatlebens, den sie nicht mit Farbe überdecklent 
Sie bemalten ihre Tempel und ihre Hiiuser, die Thiiren und die Stuben, 
die Tische, die Sessel und Bänke, das Hausgeriith, Töpfe und Gläser, die 
Schmucksachen und Bildsäulen, die Kleider und Waffen, die Särge und Grab- 
gewölbe, die Bücher und Denkmäler, Haut und Haare. Je greller, je bunter, 
kann man sagen, desto vornehmer dünkte sich der Aegypter. Der Halskragen, 
wo er nicht aus edlen Steinen und Metallen gefertigt, nur aus geleimtem Kat- 
lun gepresst ist, gleicht oft einem nPgPllliügttllklfllllü. An dem Segelboot des 
Vornehmen ist der Rumpf und der Mast, das [lauschen oder der statt seiner 
dienende Sessel, das Steuer, das Ruder, das Segel bemalt, bunt und grell" 
C. Hermann (allg. Ar-sth. S. G8.) nimmt an, ndass alle in der 
Natur gegebenen Dinge, die eine bestimmte Farlw mit einander 
gemvin hahrwn, auch sonst durch irgend ein andres (liescm als dem 
iinssorlich formellvn gleichartig entsprochmulvs innerlich wnsmv 
halte-S Merk mal zu ninvrliinheit oder Klasse vorlwunrlvn sein werden. 
Es könne. nicHL Zufall, sondern nur innnre Nothwnnzligkeit sein, 
dass in der Nalnr bestimmte- Dinge nur bestimmte Farben, nicht
        

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