Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364565
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Exemplare überhaupt nach ihren Abweichungsverhältnissen von 
diesem Werthe normiren kann. Welches dieser Werth für jede 
Klasse und Abtheilung sei, lässt sich a priori nicht bestimmen; 
ebensowcnig wie sich die Kerngränzen nach beiden Seiten verhalten ; 
hat man aber die Bestimmungen für Beides (oder äquivalente Be- 
stimmungen) aus der Erfahrung entnommen, so lässt sich dann 
allerdings auf Grund allgemeiner Zufallsgesetze (mittelst einer Er- 
weiterung des Gaussischen Gesetzes zufälliger Abweichungen) das 
Gesetz angeben , nach welchem die Seltenheit der Exemplare mit 
der verhältnissmäissigen Grösse dGPAhVVBiK hung vom Normalwerthe 
wächst, worüber no. (5 (ler Anhangs-Abhandlung (las Nähere 
enthält. 
XXXIV. 
Ueber die Frage der farbigen (polyehrolnen) 
Seulptur und Architektur. 
l. Sculptur. 
Die Frage der farbigen, bemalten, polychromcn Statuen, d. h. 
die Frage nach der Slatthaftigkeit von solchen, oder den Gründen 
ihrer Verwerfung, obwohl an sich von sehr specialer Natur, gewinnt 
doch dadurch ein allgemeineres ästhetisches Interesse, dass sie 
eine der auffälligsten Abweichungen der Kunst von der Natur be- 
trifft, und zur allgemeineren Erwägung der Motive solcher Ab- 
weichungen anregt. 
Von vorn herein sollte man meinen, die Bemalung der Statuen 
müsse als selbstverständliche Regel gelten; nirgends doch sieht 
man marmor- oder gipsweisse Menschen; wie konnten die Künstler 
darauf kommen, solche nachzubilden i? Ursprünglich kamen sie auch 
nicht darauf, denn die nach menschlichem Bilde geformten Götter- 
bilder roher Nationen sind wohl überall bemalt, und noch jetzt 
möchte Niemand einem Kinde eine unbemalte Puppe schenken noch 
dieses sich an einer solchen erfreuen. Jedenfalls gehört schon eine 
Art von Arbeitstheilung Seitens der Kunst dazu, die Farbe von der 
Gestalt abzuziehen, jene auf die Leinwand zu werfen, diese farben- 
nackthinzustellen; nichtminderunstreitig eine gewisse Gewöhnung, 
es sich von der Kunst gefallen zu lassen und endlich zu federn. Die
        

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