Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364506
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kommt die Grösse den BeLLelbuhenliiildern insofern zu stauen, als 
sie ohne zu starken Widerspruch mit der Sehickliehkeitsrüeksichl 
gestattet, die Buben in ihrer natürlichen Grösse zu geben, indess 
wir es unerträglich finden würden, wenn sie nur eine Spur über 
die vorausselzliehe Nnturgrösse übertrieben würden, du hier der 
Eindruck der Unnatur mit dem der Unsehieklichkeit, in gleicher 
Richtung zusammenträfe. 
Anstatt also die Grössc der Murilloschen Bettelbubenbildcr 
durch ihren historischen Charakter zu erklären, Inöchte ich sie 
vielmehr aus gerade entgegengesetzten] Gesichtspunctc dadurch 
erklären, dass der natürliche Anspruch des genrehaften Charakters, 
die (iegenständc aus dem Leben gegriilen in möglichster Natur- 
wahrheit darzustellen, hier zum Uebergetvicht der Geltung ge- 
kommen ist, während in der Regel eine Zucht der Schieklichkeit 
jenen Anspruch beschränkt und überwiegt.  
Namentlich wird eine Tendenz zur natürlichen Grösse der 
Figuren da statt finden, wo es Weniger die Weise ihres Zusammen- 
spiels als die charakteristische Darstellung der Figuren selbst ist, 
was uns interessirt, wie diess in derThat im Allgemeinen bei jenen 
Murillosehen Bildern der Fall ist. 
Ileberall, wo Vortheile in wechselndem Verhältnisse mit ein- 
ander in Contiict kommen, pflegt in gewissen Fällen der eine Vor- 
theil den andern merklich ganz zurückzudrttngcn; also wird es 
auch Bilder geben dürfen, die so zu sagen den Vorthcil der Natur- 
wahrheit zu erschöpfen suchen, und durch die Vollendung, in der 
sie diess erreichen, die sonst geltenden Schick]ichkeitsansprüehe 
überbieten. Immerhin werden solche Bilder, als an einem Extrem 
stehend, wie alle Extreme nur Ausnahmen bilden dürfen. 
 Der vorige Gesichlspunct erklärt noch eine andre scheinbare 
Anomalie. Wenn man die durchschnittliche Grössc der Stillleben, 
einschliesslieh Blumen- und Fruchtstücke, mit der durchschnitt- 
lichen Grösse der Genrebilder vergleicht, so findet man erstere 
nicht nur nicht kleiner, sondern sogar etwas grösser, wie man sich 
aus den, im letzten, dem Anhangsalaschnitte, in Tabelle lll 
gegebenen Durchschnittsmassen der Höhe und Breite von Bildern 
verschiedener Klassen überzeugen kann; indess man doch nicht 
in Zweifel sein wird, dass Genrebilder einen bedeutenderen Inhalt 
haben, als Stillleben. Aber die Federung einer naturwahren Wie- 
dergabe der Grösse tritt bei den Gegenständen der Stillleben mit
        

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