Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364413
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das Gegentbeil mit der Statue eines Jupiter. Eine Musik aus star- 
ken, vollen, lang zinsgehaltenen Tönen wird man erhaben finden 
können, wenn sie durch harmonische Beziehungen dem Eindrucke 
der Stärke und Fülle der Töne zu I-lülfe kommt, und Schauder-halt 
statt erhaben, wenn sie sich in missklingenden Akkorden bewegt. 
Eine Tanzmusik auf der Orgel ist wie der kolossale Amor vielmehr 
ungeschlacht als erhaben. 
Das Gefühl für die Erhabenheit ,von Gebirgsgegenden ist am 
wenigsten bei den Gehirgsbewohnern selbst, xiamentlieh den un- 
gebildeten Klassen derselben, zu finden. Wie viel schöner ist es, 
sagen sie, sich in einer Ebene weit umsehen zu können , und wie 
viel schöner ist die Fruchtbarkeit der Ebene, als was die Berge 
bieten. V. Saussure erzählt von einem savoischen Bauer, der alle 
Liebhaber derEisgebirge Narren nannte. Fragt man sich, woran diess 
hängt, so hat man zu sagen, theils an dem schon bemerkten Um- 
slande, dass der Eindruck der Erhabenheit wie jeder ästhetische: 
Eindruck (lem Eintlusse drr Abstumpfung durch Kkiietltsrhohlng 
und Dauer unterliegt; theils daran, dass den Gebirgsbewohnern 
die Mühseligkeilen und der geringe Ertrag der Natur den Anblick 
der Grösse und Höhe, wovon diese Nachlheile abhängen, verleiden ; 
endlich daran, dass die niederen Klassen wenig Höheres an den 
Anblick zu associiren wissen. Hiegegen hat der in einer Ebene 
heimische 'l'ourist, der dieselbe Gegend bereist, den vollen Eindruck 
des Contrastes, und statt sich in der Gegend abzuarbeiten, durch- 
reist er sie mit Comfort oder macht Anstrengungen eben nur, um 
eines erhabenen Eindruckes zu geniessen, und ist von Jugend auf 
so zu sagen darauf abgerichtet, den Dingen ihre höheren Bezie- 
hungen abzuempfinden. Alles das sind Bedingungen, welche seiner 
Empfänglichkeit für den erhabenen Eindruck von Gebirgsgegenrlmzn 
zu Statten kommen. 
Bei Kindern, rohen Nationen und dem Proletariat der gebildeten 
bemerkt man überhaupt wenig vom Eindrucke derErhabenheiL der 
Natur, weil ihr geistigerBlick den sinnlichen nichtweitqberrzigtund 
übersteigt. Dazu kommt es auf dieArt und Richtung der Bildung an. 
Die alten Griechen und Römer konnten noch nicht eben so wie wir 
den Eindruck einer einheitlichen schöpferischen Macht an die Be- 
trachtung der Natur knüpfen, und so entgieng ihnen ein Moment, 
was hoi uns zum Eindrucke (ler Erhnbenheit grosser Naturscenen 
beitragen kann. 
F e 011 n e 1', Vorschule 
Avstheti
        

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