Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364319
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doch allein davon ahzuhängen, da dazu der einheitliche Cha- 
rakter des Eindrucks wesentlich mit gehört. 
Inzwischen bedürfen diese Erklärungen theils noch der Er- 
läuterung, theils Rechtfertigung entgegenstehenden Ansichten 
gegenüber. 
Wenn Kirchmann an dem Eindrucke, den das Erhabene 
macht, nicht nur überhaupt nichts Lustvolles findet, sondern ihn 
sogar dem lustvollen polar entgegengesetzt findet, und wenn 
Burke und C. Hermann eine ähnliche Ansicht, nur in andrer 
Wendung vertreten, so hängt das an Beschränkungen des Lust- 
begritfes, die sich schwerlich allgemeine Geltung verschaffen wer- 
den. lch denke, um ganz populär zu reden, wenn man jeden 
Eindruck lustvoll nennt, den man gern hat, und bei fehlenden 
Gegenmotiven sogar sucht, so wird man auch erhabene Eindrücke 
vorwiegend lustvoll nennen dürfen. Auf die Frage aber, ob nicht 
im Eindrucke des Erhabenen doch Unlust eine Rolle mit spiele, 
komme ich unten. 
Damit ein grosser oder starker einheitlicher Eindruck, wie er 
zum Charakter der Erhabenheit von uns gefodert ist, überhaupt 
entstehen könne, muss eine demgemässe Ursache dazu vorhanden 
sein, und der Charakter der aufgezählten Ursachen entspricht die- 
ser Federung. Häulig wird Ein fa chhe it zum Charakter der Er- 
habenheit gerechnet, aber diess ist nicht streng zu nehmen; ein 
Himmel voll schwarzer Gewitterwolken, ein sternenheller Nacht- 
liimmel sind nicht einfach und können doch einen sehr erhabenen, 
in ihrer Art sogar erhabenern Eindruck machen, als ein ganz blauer 
Himmel, der übrigens im Grunde auch nicht einfach, sondern nur 
gleichförmig ist; das aber pflegt man hiebei unter Einfachheit zu 
verstehen. Statt Einfachheit, Gleichförmigkeit ist eben nur ein- 
lieiliicher Charakter des Eindruckes das Wesentliche zur Erliaben- 
heit. Nun ordnet sich das Gleichförmige dem Einheitlichen zwar 
unter, und kann somit durch Grösse erhaben werden, insofern es 
nicht langweilig wird, aber ordnet sich ihm doch nicht allein unter, 
da vielmehr auch das Viele und Mannichfaltige unter einen an- 
schaulichen oder ideellen einheitlichen Gesichtspunct treten kann 
(vergl. Abschn. VI) ; und insofern es der Fall ist, widerstrebt es 
nicht nur dem Eindrücke der Erhabenheit nicht, sondern kann so- 
gar durch die Höhe des verknüpfenden Gesichtspunctes diesem 
Eindruck selbst den Charakter einer grösseren Höhe erthcilen;
        

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