Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362773
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Rücksicht auf ihre Angemessenheit und Deutlichkeit mehr gefallen 
als andere. 4) Die in dieser Hinsicht für das Ganze des Werkes 
massgebenden Gesichtspuncte auch für das Einzelne aber nur in 
Unterordnung unter das Ganze massgebend zu halten. 5) Bei ein- 
tretenden Gonflicten zwischen diesen Regeln jede der andern so 
weit nachgeben zu lassen, dass das grösstmögliche und Werth- 
vollste Gefallen im Ganzen dabei herauskommt. 
Man darf wohl sagen, dass in diesen Regeln alle Regeln der 
bildenden Kunst überhaupt inbegriffen sind; nur sind sie nicht 
eben so leicht für den einzelnen Fall daraus zu holen, als darin 
einzuschliessen. Der rechte Künstler trägt sie im Gefühl und ver- 
werthet sie im Werke; Aufgabe des Aesthetikers ist, sie verstan- 
desmässig auseinanderzusetzen, so weit es eben verstandesmässig 
geht; und so werden wir auch unsrerseits diess in folgenden Ab- 
schnitten versuchen. 
der 
und Kritik 
Bemerkungen über Analyse 
Kunstwerke. 
Ein Kunstwerk kann uns gefallen oder missfallen, ohne dass 
wir uns die Momente und Gründe des Eindruckes und seiner Be- 
rechtigung besonders zum Bewusstsein bringen; in sofern es aber 
geschieht, üben wir ästhetische Analyse und Kritik an dem Werke. 
Durch solche wird der Genuss, den wir vom Eindrucke des 
Kunstwerkes selbst erwarten, unmittelbar nicht erhöht, vielmehr 
in gewisser Weise gestört, daher bei Manchen ein Vorurtheil dage- 
gen besteht. Man muss sich, sagen sie, dem Eindrucke eines 
Kunstwerkes nur möglichst rein hingeben, um den wahren und 
vollen Genuss davon zu haben. Die Empfindung der Schönheit ist 
keine Sache des Verstandes. 
Inzwischen kann von Störung des Genusses durch Reflexion 
auf dessen Momente und Gründe doch nur in sofern die Rede sein, 
als die Reflexion mit dem Genusse gleichzeitig geübt werden soll ; 
aber da jeder ästhetische Genuss sich allmälig erschöpft, kann sie 
recht wohl mit unterlaufend oder nachher geübt werden, und man 
dann bereichert durch das ästhetische Verständniss zum Genusse 
zurückkehren. Das ästhetische Verständniss aber trägt nicht nur
        

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