Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364083
 
jigppvißchefifypus wirklich geläulig und dabei in massvollster Weise 
zur Geltung gebracht ist. 
Rembrandt und andre holländische Künstler pflegen in Dar- 
stellung biblischer Geschichten das Volk weder im heutigen jiidi- 
schen noch arabischen, sondern holländischen Typus darzustellen. 
Bei aller Ungewissheit aber, wie diealten Juden ausgesehen, 
wissen wir doch, dass sie nicht wie Holländer ausgesehen, und 
haben uns nun einmal an den mehr oder weniger idealen oder 
ans Ideale streifenden Typus, den die Kunst dafür substituirt hat, 
gewöhnt, sind also gewissermassen daran gebunden, um keinen 
Widerspruch mit geläuligen Vorstellungen aufkommen zu lassen. In- 
zwischen kann man nicht läugnen, dass das Verharren in diesem 
Typus keineswegs die gleiche Möglichkeit einer so individuellen, 
aus dem Leben gegriffenen, eindringenden und allgemein verstän- 
lichen Charakteristik der menschlichen Gefühls- und Handlungs- 
weisen darbietet, als wenn der Künstler solche in den Typen seiner 
Zeit und Nation selbst ergreift, wie das uns in Rembrandts Dar- 
stellungen so grosse Bewunderung erweckt; und so möchte diese 
Darstellungsweise, wenn auch nicht als die allgemein zu befolgende, 
doch auch als eine nicht schlechthin zu verwerfende anzuerken- 
nen sein. 
XXX. 
Natur. 
Vorzugsstreit zwischen Kunst und 
Sollen sich Kunst und Natur um ihren Vorzug streiten? Sie 
selbst thun es natürlich nicht; aber die Menschen thun es für sie, 
und so wollen wir auch über diesen Streit Einiges sagen. 
Der Schah von Persien, als er auf seiner Reise eine Londoner 
Ausstellung besuchte, wunderte sich, dass ein gemalter Esel 
100 Pfund kosten sollte, während ein wirklicher für 8 Pfund zu 
haben, da man doch auf dem Wirklichen reiten könne, auf dem 
gemalten nicht, und gieng damit ganz auf Plato's Unterschätzung 
der Kunst gegen die Natur (S. 37. 38) ein. Hiegegen behauptet 
Hegel, das Kunstschöne als aus dem Geist geboren stehe um so 
viel höher als das Naturschöue, als der Geist und seine Productio-
        

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