Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364061
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man das Atelier nicht zu verlassen, denn die Maschinerie zu sol- 
chen Darstellungen findet sich schon in früheren Bildern und in 
Gostümbüchern. Also hat Rahls Regel jedenfalls den Vortheil der 
Bequemlichkeit für den Maler. 
Inzwischen haben wir damit, dass wir den Realismus histo- 
rischer Darstellungen Rahl gegenüber vertraten, doch den Idealis- 
mus in Rahls Sinne nicht überhaupt verwerfen wollen. Es gilt 
nur, anstatt ihn einseitig zu predigen, ihm seine rechte Stelle an- 
zuweisen. Er wird sie mit grösstem Vortheil da finden, wo der 
Maler den Stoff für seine Darstellung vielmehr aus der Dichtung 
oder Sage, als Geschichte schöpfen muss; überhaupt weder die 
Unterlagen für eine treue Darstellung noch ein Interesse an solcher 
vorfindet, Puncte, die im Allgemeinen zusammentreffen. Eine 
Amazonenschlacht, einen Kampf aus dem trojanischen Kriege kann 
der Maler nur dichterisch frei behandeln, weil die Geschichte selbst 
sich hier in Dichtung verläuft, und eine Zerstörung Jerusalems 
kann trotzdem, dass sie historisch ist, nicht historisch treu vom 
Maler wiedergegeben werden, weil die Anschauung dazu fehlt, die 
Nachrichten dem Maler keinen hinlänglichen Anhalt bieten, und eine 
möglichst treue Vorführung keinem Interesse beidem, jenemEreig- 
niss fern stehenden, Publicum begegnen Würde. Also ist es in der Ord- 
nung, wenn hier überhaupt kein Hauptgewicht auf die Befriedigung 
eineslnteresses an realistischer Wahrheit gelegt wird, was sich doch 
nurunvollständig befriedigen lässt, indess man wohl versuchen kann, 
ein wirksames Motiv für Darstellung einer allgemeinen welthisto- 
rischen Idee daraus zu machen, wie von Kaulbach geschehen. Da- 
bei wird dann im Sinne der Betrachtungen S. 64 vielmehr auf den 
geläufigen und durch die Kunst selbst geläufig gemachten Vorstel- 
lungen von den Trägern solcherldeen, als aufStudien über die wirk- 
lichen Physiognomien und Trachten der alten Juden und Römer zu 
fussen sein. In dieser Hinsicht ist unstreitig selbst der Realismus 
eines Vernet zu Weit gegangen, wenn er das Resultat der wirklich 
von ihm angestellten Studien, dass die alten Juden im Allgemeinen 
und bis in viele Particularitäten hinein wie die heutigen Araber 
ausgesehen, gekleidet gewesen, sich benommen, dahin verwerthet 
hat, die Patriarchen, Propheten und biblischen Persönlichkeiten 
überhaupt als braune Araber darzustellen. Was hat er damit ge- 
wonnen und was ist damit gewonnen"? Er tritt damit aus unsern 
geläufigen Vorstellungen heraus und befriedigt blos ein der Kunst
        

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