Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1364006
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Worte aus einer Beurtheilung seiner Werke anzuführenf),  die 
Kunst, besonders wo es sich um Darstellung moderner Expeditio- 
nen und Kriegsereignisse handelte, zugleich als Geschichte. Fern 
den abstracten Idealisten, welche dergleichen Facta zu Gebilden 
ihrer Phantasie machen, hielt er vor Allem auf Wahrheit und Reali- 
tät. S0 hat er die Schlachten bei Jena, Friedland, Wagram (in 
Algerien) u. s. w. für die Weltgeschichte beschrieben; wären uns 
von den Schlachten des Alterthums solche Bilder aufbewahrt, wir 
wüssten besser, wie es in ihnen hergegangen. Es giebt nur ein 
Mittel, das Feldleben besser kennen zu lernen, als aus Vernets 
Bildern; man müsste es selbst Initmachenß 
Während nun so viele Schlachtenbilder im hergebrachten 
grossen historischen Stil mit Gestalten und Stellungen, die man 
schon wie oft gesehen zu haben meint, wozu ich Rahls eigene 
Schlachtenbilder rechne, die kalte Bewunderung idealistischer 
Kenner erwecken, welche sie ganz im Sinne ihrer Theorie finden, 
vermögen die Vernetschen, jedes neu und frisch aus dem Borne 
des Lebens gegriffen, vielmehr auf dem Schlachtfeld, als an der 
Staffelei componirt, die lehhafteste Theilnahme des Publicums zu 
erwecken, und nöthigen selbst die idealistischsten Kenner, ihnen 
Alles zuzugestehen, ausser was sie für das Tüpflein über dem i 
halten, und was man in so vielen unter dem Einllusse ihrer Ansicht 
entstandenen Bildern fast ohne den Grundstrich findet. 
nAls der Constantinesaal geöffnet wurde,  sagt eine Schilderung von 
Vernets Darstellungen aus dem Algierischen Feldleben i") -setzte er die Leute 
in Erstaunen und mit Recht; noch drängt sich täglich in diesen Räumen das 
Publicum heran: die Väter wollen ihre Söhne in den rothen Hosen und blauen 
Böcken sehen, wie sie Constantine belagern, beschiessen und erstürmen. Auf 
dem ersten Gemälde n der Belagerungu wird der Feind , am 40. October 4837, 
vor den Höhen von Condiat Ati zurückgeworfen; die Franzosen schbessen 
noch meist hinter den Steinwällen hervor, während ihr königlicher Prinz sich 
schon hinüberschwingt, der Feldherr aber steht ruhig mit untergeschlagenen 
Armen , fest auf den Erfolg hinschauend, da; ihn umgeben mehrere Stabs- 
ofüciere; ein anderer wird, verwundet, von einem Mohren und einem Be- 
duinen in einem weissen Laken davongetragen; unter diesem Gewichte stür- 
zen alte Gräber ein, die auf dem Hügel gegraben waren; Gerippe starren 
hervor-der alte Tod, der den jungen bewillkommnet. Am 43. October 4837 
setzen sich die Kolonnen in Bewegung; die Hauptmasse hält zwar noch hinter 
Förster und Kugler Kunstbl. 4843. 
Kunstbl. 4845. N0. 68. S. 282.
        

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