Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1362295
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1363940
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Porträtstatne blos eine Büste zu geben, und diese mit reliefartigem, an die 
Architektur sich anschliessenden Schmuck zu umgeben. Vielleicht aber wäre 
es besser, bei so starken Conflicten von einer Porträtstatue überhaupt abzu- 
sehen, und dem Andenken des Mannes lieber eine Stiftung mit dem Namen 
und im Sinne desselben zu widmen. 
XXVIH. 
Symbolisiren. 
Der allgenieinste Begriff des Symbolisireris liegt darin, dass 
für eine Sache ein Zeichen derselben dargeboten wird, was die 
Vorstellung derselben zu erwecken im Stande ist und dadurch 
dieselbe zu vertreten vermag. 
In sehr weiter Fassung des Symbols nun kann-alles Körper- 
liche als Symbol von etwas Geistigem dahinter angesehen werden, 
der Leib als Symbol der Seele, das Lachen als Symbol der Fröh- 
lichkeit, das Weinen als Symbol der Trauer, die ganze sichtbare 
Welt als Symbol eines nicht erscheinenden, doch mit ihrer Er- 
scheinung in Beziehung stehenden, Geistes. Auch kommt eine so 
weite Fassung des Symbols in allgemeinen Betrachtungen wohl 
vor, wonach die ganze sichtbare Natur wie die ganze Kunst 
einen symbolischen Charakter annähme. Aber in der Regel und 
namentlich auch in der Kunstbetrachtung fasst man den Be- 
griff des Symbolisirens doch enger, indem man unter übriger 
Festhaltung desselben die Zeichen, welche ohne unser Zuthun 
dtlrch natürliche" oder göttliche Vermittelung an das Geistige 
geknüpft sind, vom Begrilfe des Symbols ausschliesst, und 
vielmehr als directen oder natürlichen statt als symbolischen 
Ausdruck des Geistigen betrachtet, so, wenn die Gemüthsbe- 
wegungen eines Menschen durch die von Natur daran geknüpften 
Mienen und Geberden ausgedrückt werden, oder das Walten der 
göttlichen Gerechtigkeit im Gange einer wirklichen Begebenheit 
sich ausspricht. Hiegegen gilt es als Symbol, wenn Gott durch 
die Gestalt eines würdigen Alten dargestellt wird, seine Erhebung 
über der Welt durch die Erhebung dieser Gestalt über den Wolken,
        

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