Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1360419
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Kunstgattungen zulässig oder selbst zu Gunsten andrer ästheti- 
scher Vortheile gefodert sind, was jedoch in Ausführungen über 
Kunst gehört, auf die wir für jetzt nicht weiter als mit ein paar 
kurzen Beispielen eingehen wollen, 111D in einem späteren Ab- 
schnitte ausführlicher darauf zurückzukommen. 
Ein Engel mit Flügeln kommt nicht in Wirklichkeit vor; aber 
wir setzen auch nicht voraus, dass der gemalte Engel einen wirk- 
lich vorkommenden Engel vorstellen soll, in Welchem Falle er uns 
wirklich missfalleu würde, sondern nur, dass er einen himmli- 
schen Boten Gottes symbolisch darstellen solle, womit sich die 
Flügel ganz wohl vertragen. Die Flügel selbst aber müssen so 
gemalt sein, dass sie zum Fliegen tauglich erscheinen, da sonst 
die durch ihre Anschauung erweckte Vorstellung der Vorstellung 
ihrer Bestimmung widerspricht. Einen Roman können wir recht 
wohl mit Lust lesen, trotzdem dass wir wissen , die Personen und 
Begebenheiten desselben sind der Wirklichkeit fremd; wir wissen 
zugleich, es ist nicht um Darstellung concreter Wirklichkeit zu 
thun. Also kein Vorstellungswiderspruch. Aber reale oder psycho- 
logische Unmöglichkeiten oder starke Unwahrscheinlichkeiten darf 
er nicht enthalten, welche den allgemeinen Bedingungen der 
Existenz widersprechen, deren Bewusstsein uns beim Lesen des 
Romans als Federung begleitet. 
VIII. 
Princil) der Klarheit. Zusammenfassung 
drei obersten Formalprineipe. 
(ler 
Werfen wir einen Blick zurück auf die beiden vorigen Prin- 
cipe, das der einheitlichen Verknüpfung der Mannichfaltigkeit und 
das der Einstimmigkeit oder Wahrheit, so ruhte jenes darin, dass 
Vorstellungen, die von gewisser Seite (zeitlich: räumlich, begriff- 
lich) verschieden sind, von andrer Seite in etwas Gemeinsamen 
zusammentreffen müssen, um im Sinne der Lust zu sein; dieses 
darin, dass von verschiedenen Seiten her erweckte Vorstellungen 
von etwas voraussetzlich identischem auch wirklich identisch zu- 
sammentreffen müssen, um im Sinne der Lust zu sein. Beide
        

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