Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1360176
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sie gehen aber mit den ästhetischen Hand in Hand, und es gilt 
von moralischen Flecken dasselbe als von physischen. Von diesem 
Zurückbleiben der Missfälligkeit hinter der Ursache derselben lässt 
sich ein doppelter Grund angeben. Einmal wächst nach einem 
(schon S. 53 berührten) psychophysischen, durch Beziehung auf 
Lust- und Unlustreize in die Aesthetik übertragbaren, Gesetze eine 
Empündung überhaupt mit Verstärkung des Reizes über einen 
gewissen Grad hinaus schwächer als der Reiz, oder selbst gar nicht 
mehr merklich. Ein Lieht, in eine fast dunkle Stube gebracht, 
lügt ausserordentlich Viel Helligkeit hinzu; ein zweites gleiches 
hinzugebracht, lässt die Helligkeit nur noch in unverhältniss- 
mässig geringerem Verhältnisse Wachsen. Zweitens wird bei Ver- 
doppelung einer störenden Stelle doch die Störung insofern nicht 
ganz verdoppelt, als die störenden Stellen selbst und die Weisen 
ihrer Störung etwas Gleiches darbieten. Beide Gründe dürften im 
Allgemeinen zusammen in Betracht zu ziehen sein. 
S0 wenig gleichförmige Reinheit uns lange für sich zu fesseln 
vermag, so willkommen ist uns doch im Allgemeinen die Reinheit 
der Gontoure, der Farben in den Theilen eines Kunstwerkes , weil 
jeder Theil von selbst nur die kurze Betrachtung in Anspruch 
nimmt, über die hinaus er anfangen wurde uns langweilig zu 
werden. Gehen wir doch bald von einem Theile zum andern 
über, um damit des zwischen ihnen bestehenden höheren Ein- 
heitsbezuges zu gewahren; nun kann sich die Gewährung des 
niedern an der Gleichförmigkeit der Theile in vortheilhafter Weise 
damit verbinden. Unstreitig zwar können wir die Reinheit von 
Contouren auch desshalb fodern, weil der darzustellende Gegen- 
stand dadurch schärfer ins Licht tritt, aber Beides Widerspricht 
sich nicht, sondern hilft sich; sonst könnte uns eine reingezogene 
Linie nicht auch ausser einer Zeichnung besser gefallen als eine 
unrein gezogene. 
Die stärkste Störung erfährt natürlich die Gleichförmigkeit 
eines Eindruckes durch seine völlige Unterbrechung; und man 
kann sagen, dass solche an sich überall im Sinne der Unlust ist, 
nur dass die Schwelle der Unlust namentlich durch einzelne Unter- 
brechungen nicht überall überstiegen wird, und Regelmässigkeit 
der Unterbrechungen eine Gompensation bewirken kann, sofern 
damit ein höherer Einheitsbezug eintritt, der für den Bruch des 
niederen zu entschädigen vermag, wie jedenfalls vom Tact im
        

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