Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1360070
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oder geringere äussere Einwirkung dazu nöthig werden, mithin 
die äussere Schwelle steigen oder fallen, und so umgekehrt mit 
der inneren Schwelle bei Wechsel des Grades der äusseren Ein- 
wirkung. Soll nun überhaupt die Schwelle einer Empfindung 
überschritten sein, so muss es stets die innere und äussere zu- 
gleich sein; es kann aber mehr durch Steigerung der Bedingungen 
,von Innen oder Aussen geschehen. 
Von Bedingungen , welche überhaupt durch Uebersteigen 
einer Schwelle Lust oder Unlust zu wecken vermögen, sagen wir 
im Allgemeinen, dass sie im Sinne der Lust oder Unlust 
sind, ohne dass sie desshalb solche wirklich wecken, so lange sie 
unter der Schwelle sind.  
Wenn schon Lust- oder Unlustbedingungen unter der Schwelle 
nach dem Begriffe der Schwelle unzureichend sind, Lust oder 
Unlust spürbar werden zu lassen, ist es doch nicht dasselbe, als 
wenn sie überhaupt fehlten, sondern auch ihr unzureichendes 
Vorhandensein kann aus einem der folgenden zwei Gesichtspuncte 
wichtig werden. 
Ersten s. Je näher der Schwelle die inneren oder äusseren 
Bedingungen der Lust oder Unlust sind, eines desto geringem 
Zuwachses ihres Grades, ihrer Stärke wird es noch bedürfen, sie 
die Schwelle übersteigen zu lassen, desto günstiger liegen also die 
Verhältnisse für die Wirkliche Entstehung der Lust oder Unlust. 
Zweitens. Eine Bedingung der Lust oder Unlust, die für 
sich unter der Schwelle ist oder sein würde, wenn sie für sich 
bliebe, kann in Zusammensetzung mit anders gearteten Be- 
dingungen der Lust oder" Unlust, die ihrerseits für sich unter der 
Schwelle sein würden, ein Lust- oder Unlustresultat gehen, was 
die Schwelle übersteigt, wovon das, sofort zu betrachtende Princip 
der ästhetischen Hülfe mit abhängt. 
Princip 
der 
ästhetischen 
Hülfe 
oder Steigerung. 
V01" beSlimlTlißm Anspruch des Gesetzes erläutern wir dasselbe 
an einigen besondern Fällen. 
Ein Gedicht, in einer fremden Sprache gehört, gewährt, noch 
den vollen Eindruck von Versmass, Rhythmus", Beim, aber ohne
        

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