Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359982
Princips bestimmt sind. Um sie aber in diesem Sinne zu erziehen, 
stehen dieselben, nur eben im Sinne des Prineipes zu richtenden, 
Mittel zu Gebote, die überall und von jeher in Gebrauch gewesen 
sind, wo von Erziehung die Rede, Beispiel, Lob, Tadel, Lohn, 
Strafe, Verweisung auf Zorn und Gefallen Gottes,  Drohung und 
Verheissung über das Diesseits hinaus; wozu die erweckte Ein- 
sieht in die Natur, die Foderungen und Folgerungen des Prineipes 
zu treten hat. Das höchste Ziel dieser Erziehung aber wird nicht 
das, von einem unpraktisehcn doctriniiren Rigorismus vorgeschrie- 
bene sein, was auf dem Papiere aufstellbar aber nicht in der 
Natur des Menschen erfüllbar ist, dass der Mensch aus seinen 
Motiven die Rücksicht auf den eigenen Vortheil ganz verbannt, 
sondern dass er die Rücksicht auf sein eignes Wohl von der Rück- 
sicht auf das Wohl des Ganzen gar nicht scheide, Weder im un-- 
mittelbaren Gefühl noch im Ilinblick auf die Folgen. Dazu aber 
gehört von erster Seite, dass er im Gefühle der Liebe gegen seinen  
Nächsten sein eignes Glück mit darin finde, für das Glück Andrer 
zu wirken, und darüber hinaus das höhere Gefühl der Befrie- 
digung des Gewissens empfinde, einer Befriedigung, die sich im 
Gefühle, auch Gott damit zu befriedigen, zu einem, jedes andre 
an Kraft und Höhe übersteigenden, Motiv steigern lässt. Von zwei- 
ter Seite gehört dazu der erfahrungsmässige Hinblick, dass schon 
hier auf den Menschen die guten und schlimmen Folgen seines 
Handelns um so sichrer zurückschlagen, je länger sie laufen, er- 
gänzt (lureh den Glauben, dass das Princip dieser Vergeltung aus 
dem Diesseits ins Jenseits hinüberreicht und sich da vollende. 
Dazu gilt es dann freilich ilLlCll, den Glauben an Gott und Jenseits 
im rechten Sinne zu wecken und zu kräftigen; zu den Principen 
des rechten Glaubens selbst aber. ist zu rechnen, dass er die 
Menschen zugleich am meisten befriedige und am bcssten führe. 
ln der 'I'hat ist es ein leerer Wahn, dass man ohne Zuziehung 
religiöser Motive sei es das Volk, sei es Menschen von höherer 
Bildung, sei es sich selbst im Sinne des Prineipes recht und voll 
erziehen kann; es bleibt ohne das ein ungedeckter Rest nach 
höchsten und letzten Beziehungen, den man mit allem Predigen 
von Humanität nicht decken kann; oder was hätte man je damit 
Erbebliehes geleistet. Soll also das Princip praktische (ieltung 
gewinnen, so wird es nur im Zusammcnhange damit sein können, 
dass die, alle andern überragenden, sehliesslieh allein durch-
        

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