Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359896
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der Kunst als Frucht der Erfüllung einer wichtigen Federung er- 
scheint, sondern es können auch nur wahre Erkenntnisse zu guten 
praktischen Folgen führen, so dass sich selbst umgekehrt nach 
einem sehr allgemeinen Princip die Wahrheit einer Erkenntniss 
aus ihrer Güte folgern lässt; woraufjedoch hier nicht näher ein- 
zugehen. x) 
Das Gute ist nach Allem wie der ernste Mann und Ordner 
des ganzen Haushaltes, der Gegenwart und Zukunft, Nahes und 
Fernes in Eins bedenkt, und den Vortheil nach allen Beziehungen 
zu wahren sucht; das Schöne dessen blühende Gattin, welche 
die Gegenwart besorgt, mit Rücksicht auf den Willen des Mannes, 
das A ngen ehme das Kind, was sich am sinnlichen Genusse und 
Spiele des Einzelnen erfreut; das Nützliche der Diener, welcher 
der Herrschaft Handleistungen thut und nur Brod erhält nach 
Massgabe als er solches verdient. Das Wahre endlich tritt als 
Prediger und Lehrer den Gliedern der Familie hinzu, als Prediger 
im Glauben, als Lehrer im Wissen; es leiht dem Guten das Auge, 
führt dem Nützlichen die Hand und hält dem Schönen einen 
Spiegel vor. 
Aesthetisch , Aesthetik. 
Es wird noch gelten, den bisher blos beiläufig in Gebrauch 
gezogenen Begriff des Aesthetischen und der Aesthetik als Lehre 
vom Aesthetischen etwas näher zu erläutern und hiemit zugleich 
das Gebiet, innerhalb dessen sich die Betrachtungen dieser Schrift 
halten werden, bestimmter zu begränzen. 
Nach der Etymologie und ursprünglichen Erklärung Seitens 
Baumgarten (von dem die Aesthetik als Wissenschaft datirt), und 
Kant würde Aesthetisch auf das sinnlich Wahrnehmbare oder For- 
men der sinnlichen Wahrnehmung überhaupt ohne Rücksicht auf 
Wohlgefälligkeit und Missfälligkeit gehen, und hienach Aesthetik 
eine Lehre von der sinnlichen Wahrnehmung (oder deren For- 
men) überhaupt bedeuten da), eine Begriffserklärung, welcher noch 
r) Vergl. darüber die ndrei Motive u. Gr. des Gl." S. 420. 
ü) S0 noch bei Kant in seiner transcendentalen Aesthetik, indess er 
später, in seiner Kritik der Urtheilskraft, welche die eigentliche Grundlegung 
seiner Aesthetik enthält, ästhetisch und Aesthetik vielmehr im jetzt üblichen 
Sinne verwendet, was zur jetzigen Gebrauehsweise dieser Begriffe wohl 
selbst hauptsächlich beigetragen hat.
        

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