Volltext: Vorschule der Aesthetik (Theil 1)

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angenehm , 
überall nur 
wohlgefällig, anmuthig, 
: das ist schön. 
zierlich , 
niedlich; 
er 
sagt 
Aber auch die Gebildeteren , denen feinere Unterscheidungen 
geläufig sind, bedienen sich in so vielen Fällen, wo es sich nicht 
ausdrücklich um Geltendmachung solcher Unterscheidungen han- 
delt, gern des Ausdrucks schön in grösster Weite, sagen demnach 
unbedenklich: das schmeckt schön, riecht schön, sprechen von 
einem schönen Tone, schönen Wetter, einer schönen Idee, einem 
schönen Beweise, was alles nicht zu der, von der Aesthetik höhe- 
ren Stils eingehaltenen, engern Begrilfsfassung der Schönheit passt, 
nach Welcher weder das blos sinnlich Wohlgefällige, noch das 
ganz ins innere geistige Gebiet Fallende unter den Begriff schön 
subsumirt wird. 
Ganz entsprechend aber als mit Schön verhält es sich in die- 
sen Beziehungen mit Gut. Die Ausdrücke nützlich  vortheilhaft, 
zweckmässig, werthvoll, heilsam werden vom gemeinen Manne 
nicht gehört, er hat für alle praktischen Kategorieen nur denselben 
Ausdruck gut wie für alle ästhetischen den Ausdruck schon; und 
etwa Segen für eine grosse Fülle des Guten; die allgemeinste 
Bedeutung ist beidesfalls zugleich die gemeinste. Der gebildete 
Sprach- und Begriifsgebrauch hat eben so die Unterscheidung der 
praktischen wie ästhetischen Kategorieen, kann sich aber auch oft 
eben so wenig der weitesten Fassung des Begriffes Gut entziehen 
als des Begriffes Schön, weil eine allgemeine Bezeichnung des 
Lustgebenden unter Mitrücksicht auf Zusammenhänge und Folgen 
oft eben so nöthig, als die Unterscheidung der Unterbegrifie und 
Nuancen dabei ohne Interesse ist. 
Entsprechendes als vom Verhaltniss der Hauptkategorieen 
Schön und Gut zu den untergeordneten Kategorieen, lässt sich 
vom Verhältniss beider Hauptkategorieen zu einander sagen. Sie 
werden im täglichen Leben ganz im oben bezeichneten Sinne 
unterschieden. 
So sagt man im täglichen Verkehr zu einem Andern: 085 ist 
schön, dass du kommsta, wenn man der unmittelbaren Lust, die 
das Kommen des Andern erweckt, einen Ausdruck geben will; 
ves ist gut, dass du kommsta, Wenn man an Folgen seines Kom- 
inens im Sinne der Lust oder zur Verhütung der Unlust denkt.  
Man sprichtvon schönem Wetteroder gutem Wetter, je nachdem man 
den unmittelbar erfreulichen Eindruck desselben oder die erfreu-
	        
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