Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1361880
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erwartet, wie wenigstens 40 bis 12 Pack- und Sackträger sich in die Reise- 
Elfecten theilen und ihn mit seiner Begleiterin nach dem Hotel führen. Zwei 
haumstarke Kerle tragen einen leichten Nachtsack an einer schweren Stange 
über den Schultern , ein andrer fährt ein Etui und einen Sonnenschirm auf 
einem Schubkarren, an welchem ein oder zwei Gehiilfen sich angespannt 
haben. 
Voll von lächerlichen Darstellungen sind u. a. die vFliegenden Blätter", 
wozu freilich die erläuternden Unterschriften wesentlich gehören. 
Selbst der Musik geht die Fähigkeit, Lachen zu erzeugen 
nicht ganz ab. Mindestens erinnere ich mich, dass der Violin- 
virtuose Wasiliewski in einem Bekanntenkreise einmal ein Stück 
vortrug, wobei man nicht aus dem Lachen herauskam, indem das- 
selbe so zu sagen nach dem Princip der Sprünge junger Katzen 
verfasst war. 
Beiläufig folgende Bemerkung über die Weise , wie der Körper auf den 
Eindruck des Lächerlichen gegenüber Eindrücken von entgegengesetzter Art 
reagirt. Das Lachen besteht in einem ruck- oder stossweisen Ausathmen, das 
Schluchzen in einem entsprechend ruckweisen Einathmen. Eine plötzliche 
Freude aber, die uns mit dem Eindrücke, dass ihre Ursache eine nach- 
haltige sei, begegnet, veranlasst uns nicht sowohl zum Lachen, als zu 
einem Verharren im stockenden Zustande der Ausathmung, wie ich finde, 
indem ich mir so eben vorstelle, dass ich das grosse Loos gewonnen, wo- 
gegen man bei einem plötzlichen Schrecken die Ursache des Schreckens 
mit stockendem Einathmen anstarrt. Gewahrt man dann plötzlich, dass 
man umsonst erschrocken ist, so löst sich der Schreck in Lachen auf, und 
springt hiermit der Zustand des Einathmens in einen Ruck des Ausathmens 
über. 
XVIII. 
Vom 
Geselnnaek. 
Begriifliches. 
Es ist mit dem BegrifTe des Geschmackes wie mit allen un- 
sern Allgemeinbegrißen; man kann sie nicht fest einschnüren, 
oder sie weichen nach allen Seiten über das Schnürband hinaus; 
in der Regel aber bleibt doch ein gemeinsamer Kern. Und so 
bleibt für den Begriff des Geschmackes der gemeinsame Kern, dass 
er eine Einrichtung der Seele auf unmittelbares Gefallen oder 
Missfallen an dem und jenem ist, was nicht erst der Ueberlegung
        

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