Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1361672
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kelches sich die Vorstellung eines unmittelbaren Genusses um so 
mehr associirt, je mehr er durch seine Gestalt und geeignete Ver- 
zierungen daran erinnert. Drittens können Verzierungen über- 
haupt nicht eben so beim Topfe wie beim Kelche dienen, sei es 
den directen sei es den associativen Factor der Wohlgefälligkeit zu 
heben, theils Weil dieAnbringung von Verzierungen dem Gebrauche 
oder der Gebrauch den Verzierungen schaden würde, theils weil 
Verzierungen, die man etwa symbolisch vielmehr zum ferner liegen- 
den wohlgefälligen Zwecke als nahe liegenden Gebrauche in Bezie- 
hung setzen wollte, mit den näher liegenden Associationsvorstel- 
lungen dieses Gebrauches in Widerspruch treten würden, was 
Alles von einem gebildeten Geschmack missfällig empfunden wird, 
und dem verzierten Kochtopf den Zuruf einzutragen hätte: bist 
weder Kochtopf weder schön. 
S0 bedarf auch der Pflug zu seiner Leistung der verzwickten 
Form. Wollte man ihn anmalen oder schön schnitzen, so würde 
er als ein Ding vielmehr zum Ansehen als zum Pflügen bestimmt 
erscheinen, und nicht so frei gehandhabt werden als der unver- 
zierte Pflug; dem richtigen Geschmacke aber würde er dadurch 
schon im Ansehen verleidet sein. 
XVI. 
Commentar zu einigen Aussprüchen Schnaasäs 
in Sachen der Architektur. 
Die falsche Ansicht, dass die äussere Zweckmässigkei-t bei 
Gegenständen, in deren Bestimmung äussere Zweckmässigkeit 
liegt, neben der Schönheit derselben so zu sagen nur hergehe, 
führt häufig auch zu falschen Consequenzen. Man empfindet die 
Schönheit eines Bauwerkes, aber man gönnt es der Zweckmässig- 
keit nicht oder traut es der Zweckmässigkeit nicht zu, diese Em- 
pfindung hervorgerufen oder auch nur dazu beigetragen zu haben, 
und sucht den Grund des unmittelbaren Wohlgefallens am Bau- 
werk anderswo. Ein Beispiel davon kann man in folgenden Aus- 
sprüchen eines sehr geschätzten Kunstkenners finden, welche 
zugleich Gelegenheit geben mögen, die im vorigen Abschnitte 
entwickelten allgemeinen Gesichtspuncte nach einigen besondern 
Beziehungen auszuführen und damit um so Wirksamer zu erlau-
        

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