Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1361603
Beziehung 
der 
Zweekmässigkeit 
ZUI 
Schönheit. 
Dass ein Gegenstand, um überhaupt schön zu heissen, dem 
Zweck genügen muss, unmittelbar Wohlgefallen zu erwecken, 
wird nicht bestritten, sei es, dass man den Begriff der Schönheit 
selbst auf die Fähigkeit zu dieser Leistung stützt, wie von uns 
geschieht, sei es, dass man diese Fähigkeit nur als eine, vom Wesen 
des Schönen abhängig zu machende, Eigenschaft desselben an- 
sieht, den Begriff desselben aber anderswie bestimmt. Kant hat 
diese Art der Zweckmässigkeit, wodurch das Schöne sich der Na- 
tur unsersErkenntnissvermögens anpasst, die s ubj e c ti v e Zweck- 
lmässigkeit genannt, wohl zu unterscheiden von der äussern 
Zweckmässigkeit, welche in der Eigenschaft eines Gegenstandes 
besteht, durch seinen Gebrauch oder Folgewirkungen seines Da- 
seins das Wohlergehen der Menschheit zu fördern, im Stande zu 
halten, Nachtheile zu hindern. Es fragt sich, ob auch diese 
äussere Zweckmässigkeit, folgends schlechthin unter Zweckmässig- 
keit zu verstehen, zur Schönheit wesentlich ist. Allgemeinge- 
sprechen gewiss nicht, da Gemälde, Statuen, Musikstücke uns 
sehr schön erscheinen können, ohne einen andern als den suhjec- 
tiven Zweck zu erfüllen, hingegen genug äusserlich sehr zweck- 
mäissige Gegenstände, als Ackergeräthe, Maschinen, Wirthschafts- 
gebäude, Miststätten uns nicht nurinicht schön, sondern manche 
davon selbst ungefällig oder gar hässlich erscheinen. Wonach 
man sc-hliesst, dass auch da, wo sich äussere Zweckmässigkeit bei 
schönen Gegenständen findet, wie bei. den Werken der schönen 
Architektur und Kunstindustrie Ü, einer zugleich schönen und ge- 
sunden Menschengestalt, die äussere Zweckmässigkeit als zufällig 
zur Schönheit anzusehen sei, und diese von andern Umständen 
ahhänge. Die schönen Verhältnisse machen danach ein Bauwerk, 
d") Ich gebrauche diesen Ausdruck zur zusammenfassenden Bezeichnung 
der Kunst der Gefässe, Geräthe , Möbeln, Waffen, Wappen, Teppiche, Klei- 
der. In der Abb. nZur experimentalen Aesthetikn habe ich dafür 'l'eßlonik 
gebraucht, welchen Ausdruck Bötticher in s. Teclonik der Hellenen in glei- 
chem Sinne aber mit Einschluss der Architectur gebraucht hat, indess Sem- 
per (üb. d. Stil) blos die Zimmerei darunter versteht, und für den Ausdruck 
Kunstindustrie in obiger Bedeutung auch den Ausdruck vtechnische oder 
kleine KÜDSfeu hat.
        

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