Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1361226
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lichcni Charakter ohne die, freilich gewöhnlich mit eingehenden, 
pLlanzlichen, thierischen und menschlichen Bildungen Yor Augen 
haben muss;  zweitens darin, dass bei jenen sichtbaren Figu- 
ren eben so wie bei den hörbaren der Grund der Wohlgefälligkeit 
im Princip der einheitlichen Verknüpfung des Mannichfaltigen ge- 
sucht werden kann. Aber mit alP dem sind jene sichtbaren Figu- 
ren weit entfernt, einen musikalischen Eindruck zu machen; und 
das liegt an allgemeineren Unterschieden, die den Künsten der 
Sichtbarkeit überhaupt die Fähigkeit versagen, Musik zu machen. 
Zwar dass die Arabesken und kaleidoskopischen Figuren sich dem 
Auge als bleibend darbieten, indess die Figuren der Musik in der 
Zeit ablaufen, begründet keinen wesentlichen Unterschied; denn 
nicht nur, dass man Arabesken mit Auge und Aufmerksamkeit zeit- 
lich verfolgen kann, findet man auch im Spiel des Farbenklaviers, 
namentlich aber in dem prachtvollen Schauspiel der Kalospinthe- 
chromokrene den zeitlichen Ablauf der Musik in dem Spiel sich 
ändernder Farben wieder, und darf in der That sagen, dass, 
wenn irgend etwas im Gebiete der Sichtbarkeit sich dem Eindruck 
der Musik nähert, es ein solches Schauspiel ist. Doch ist diese 
grösste Annäherung noch eine sehr grosse Entfernung zwischen 
beiden. Worin liegt das?  Leicht zu finden sind folgende Unter- 
schiede: 
Jeder musikalisch verwerthbare Ton (Klang), den wir ver- 
nehmen, ist aus einem Grundton und einer Reihe von bestimmt 
abgestuften, um Schwingungsverhältnisse in einfachen ganzen 
Zahlen differirenden, durch Richtung der Aufmerksamkeit bis zu 
gewissen Gränzen scheidbaren, Obertönen zusammengesetztif), 
i) Selbst _von Tönen, die ausserhalh unseres Ohres als einfache erzeugt 
werden, gilt diess; sie geben alle in unserm Ohre nach dessen Einrichtung 
mit dem äusserlich erzeugten Grundtone die Reihe sog. harmonischer 'l'öne, 
welche eine angeschlagene Saite als Obertöne mit dem Grundtone liefert, 
wenn schön in geringerer Stärke, als wenn die objectiven Bedingungen zu 
ihrer Entstehung worhanden sind. Auch mag es sein, da diese harmoni- 
schen Töne bei der gewöhnlichen Musik durch menschliche Stimme und 
Saiteninstrumente constant vermöge objectivel Erzeugung mitgehen, dass 
die Association etwas mitwirkt, die innerlich erzeugten auch da, wo sie objec- 
tiv fehlen, Verstärkt ins Bewusstsein zu rufen. Vergl. Helmholtz, Tonemptin- 
dung  248. 249 und eine Abhandlung von J. J. Müller in den Berichten 
der sächs. Soc. 4874. H5.  Die bewusste Scheidung der Obertöne vom 
Grundtone ohne Zuziehung besonderer Hülfsmittel gelingt allerdings nur
        

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