Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1361087
einzeln nicht mehr erinnern können  sich beim Anblick eines 
uns neuen Menschen in einem associativen Resultate geltend 
machen, was uns mehr oder weniger entschieden zu Gunsten oder 
Ungunsten der betreffenden Persönlichkeiten stimmen kann, je 
nachdem es mit einer mehr oder weniger entschiedenen Richtung 
unsrer Neigung oder Abneigung znsammentritlt. 
Man hat mir hiegegen eingewandt, dass gerade kleine Kinder, 
die doch noch wenig Erfahrungen an Menschen haben machen 
können, die bcstitnmteste Neigung oder Abneigung gegen Personen 
zu erkennen geben, die ihnen das erstcmal nahen. Aber dieselbe 
Person, vor der sich ein Kind anfangs in den Schooss der Mutter 
verkrocli, wird ihm oft nach wenig Stunden, fängüs die Person 
nur recht an, die liebste. Ein paar Zwiebacke können viel thun, 
die angeborttne Antipathie, was man dafür halten möchte, zu ent- 
wnrzeln. Kleine Kinder folgen überhaupt wie ein beweglichen- 
Wagebalken leicht dem kleinsten "Eindrucke nach einer wie der 
andern Richtung. Und dann  so wenig Erfahrungen an Menschen 
auch das Kind hat machen können, so bilden die, die es hat 
machen können, doch schon eine Grundlage für Associationcn, die 
bei der Frische seines Geistes sich lebhaft einprägen und ihren 
Erfolg so lange geltend machen, bis derselbe durch entgegenge- 
setzte Erfahrungen aufgehoben wird. Wer aber hat je ein Kind 
so genau beobachtet, dass er sagen könnte, Welche Associationen 
zu Gunsten oder Ungunsten einer ihm neu entgegentretenden Per- 
son sich schon bei ihm_ geknüpft haben, welche noch bestehen 
und WOlChG wieder zerfallen sind; Oft auch mag dem Kinde statt 
der Person nur das Kleid missfallcn. Auf kindische Sympathiecn 
und Antipathieen ist also bei der Frage nichts zu gehen. 
Dass man sich der associativen Vermittelung der physiogno- 
mischen Eindrücke nicht leicht bewusst wird, ist freilich Schuld, 
dass man gern einen m ys tischen Grund dafür sucht. Es können, 
so meint man wohl, zwei Menschen wie zwei Saiten ihrer Grund- 
cinrichtung nach harmonisch oder disharmonisch zu einander ge- 
stimmt sein, und schon im Eindrucke der Erscheinung etwas von 
dieser Harmonie oder Disharmonie empfinden, ohne dass es irgend- 
wie früherer Erfahrungen zur Vermiltelnng davon bedarf. Ich will 
nicht sagen, dass das schlechthin unmöglich sei, wohl aber, dass 
es dem klaren Grunde gegenüber, der sich mit Vorigem angehen 
liess, sehr zweifelhaft ist; und sollte etwas der Art statt finden,
        

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