Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1361076
V1 so 
durch den räumlichen Verfolg des Bildes zu unterbrechen-denn 
ein ganz gleichzeitiger Vcrfolg ist doch trotz des zeigenden Stabes 
nicht möglich,  dadurch nur um so lästiger werden. Diess ist 
anders bei Illustrationen von Gedichten durch Bilder, wo das 
gleichzeitige Verfolgen beider nicht gezwungen ist und gar nicht 
beansprucht wird, man vielmehr erst, wenn man das eine satt 
hat, sich zum andern zurüokzuwenden braucht. 
Hiegegen aber fraglich, ob diese Gegenerwägung gegen jene 
Vortheile durchschlägt, und nicht jenes Wenig günstige Gefühl 
doch blos daraus entstanden ist, dass die bisherige Ausführung 
wrenig leistet, da es sich eben nach nichts Anderem hat bilden 
können. Nun ist überhaupt meine Ansicht, dass in der Aesthetik 
Alles zu versuchen ist, was nicht a priori abzumachen ist, und ich 
halte die Frage einer solchen Kunst hiezu gehörig, ohne freilich 
grosses Vertrauen auf diese Zukunftskunst zu setzen. 
XII. 
Eindrüuke. 
und instinctive 
Physiognolnische 
Es kann vorkommen und kommt oft vor, dass wir uns von 
Personen gleich bei der ersten Begegnung angezogen oder abge- 
stossen finden, ehe sie noch das Geringste gethan haben, was 
unsre Zuneigung verdiente oder unsre Abneigung rechtfertigen 
könnte, dass sie uns, wie man sich ausdrückt, sympathisch oder 
antipathisch sind, ohne dass wir uns Rechenschaft geben können, 
warum. Besonders Frauen sind stark in solchen so zu sagen 
aprioristischen Sympathieen und Antipathieen; ein Gesicht ist oft 
ein schlimmeres Verbrechen bei ihnen als eine Handlung. Inzwi- 
schen ist ihr Gefühl meist ein richtiges und leitet sie oft besser als 
uns der Verstand. l-larlmann sagt: die Weisheit, des Unbewussten 
LhuUs. Nun ja, es fragt sich nur, woher es diese Vlvleisheit hat. 
Ich meine, jedenfalls in der Hauptsache daher, dass alle Er- 
fahrungen, die wir von Jugend auf über Güte, Liebe, Schlechtig- 
keit, Gemeinheit-der Menschen in Verbindung mit ihrem Anblick 
und Behaben gemachte-unzählige aber sind's, deren wir uns
        

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