Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1360963
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die Worte der Sprache mit ihrer Bedeutung und durch die mög- 
lichen Zusammenstellungen derselben das gesammte Vorstellungs- 
und Begriffsgebiet des Menschen und vermögen sonach dem Gange 
der Vorstellungen und Gedanken mit dem davon abhängigen Gange 
der Gefühle ganz bestimmte, sich durch alles Aeussere und Innere, 
Geistige und Körperliche, Vergangene und Künftige, Sichtbare 
und Unsichtbare, Allgemeine und Concrete erstreckende Wege 
anzuweisen, und dadurch den Vortheil, den die Malerei nach ge- 
wisscr Beziehung voraus hat, durch Vortheile nach andrer Rich- 
tung zu compensiren oder selbst zu überbieten. Wie denn der 
Eindruck eines lyrischen Gedichtes , eines Drama oder Epos oder 
selbst einer einfachen Erzählung durch kein Gemälde ersetzt, 
wenn schon in gewisser Weise ergänzt werden kann. 
Hienach wird die Malerei überhaupt mit grösserem Vortheile 
da Anwendung finden, wo der ästhetische Haupteindruck sei es 
direct von der zusammenhängenden Auffassung der in, einem Mo- 
mente festgehaltenen äusseren Erscheinung, oder dem unmittelbar 
und sicher davon ausgelösten Zusammenhang und Spiel ästhetisch 
wirksamer und befriedigender Associationsvorstellungen abhängt, 
worin die Poesie und überhaupt sprachliche Darstellung nicht 
nachzukommen vermag, indem sie von dem directen Eindrücke 
gar nichts, und von dem damit verschmolzenen Kreise der Asso- 
ciationen nur nach und nach diese und jene Momente kraftvoll 
hervorzurufen vermag, ohne die Fülle derselben damit erschöpfen 
und den von ihrem Zusammenhange abhängigen Totaleindruck 
herstellen zu können; hingegen die poetische Darstellung und 
sprachliche Darstellung überhaupt mit grösserem Vortheilc da, wo 
der ästhetische Haupteindruck an weiter durch Zeit, Baum und 
Inneres greifenden Beziehungen hängt, welchem die sinnliche Er- 
scheinung einer sichtbaren Olaerflache mit den sich zunächst an- 
knüpfcnden Vorstellungen nicht nachzukommen vermag. 
Nun giebt es Gegenstände, Motive, die aus vorigen Gesichts- 
puncten besser der 11063, andre, Welche besser der Malerei über- 
lassen werden; doch giebt es auch genug, welche einen gemein- 
samen Darstellungsstoff für beide abgeben können; nur werden 
sich dann beide, um jede in ihren rechten Gränzen zu blei- 
ben, in der Behandlung desselben Stoffes vielmehr kreuzen als 
decken müssen, indem die Dichtung mit Darstellung des zeitlichen 
Ablaufes über-den Durchschnitt durch die Zeit, den das
        

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