Volltext: Vorschule der Aesthetik (Theil 1)

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Sprüngen des Felsens nachläuft, als die Mühle, deren Getriebe 
unmittelbar in das lebendig rauschende Wasser eingreift, als das 
Dorf, dessen Häuser strassenlos an einem Bergabhange herauf- 
klettern oder sich zwischen Obstgärten zerstreuen, u. s. W. 
Das Fabrikgebäude verwirklicht in gewissem Grade zugleich 
den zweiten Fall, dass das Gebäude durch eigene unlustvolle Asso- 
ciationen den landschaftlichen Eindruck stört, indem wir dabei un- 
willkührlich an alle Plage der Arbeit und alles Elend des Proleta- 
riats denken. Am schlimmsten aber steht es in dieser Hinsicht mit 
Irrenhäusern und Zuchthäusern. Viele alte Schlösser und Klöster 
auf Hügeln und Bergen sind jetzt dazu eingerichtet; so wie wir es 
von einem solchen Bauwerk erfahren, ist es, als ob der Reiz, den 
es der Landschaft verlieh, mit kaltem Wasser ausgelöscht würde. 
Leidet doch auch der Eindruck der Eisenbahngebäude ausserhalb 
der Landschaft einigermassen von da her. Man darf wohl sagen, 
dass solche jetzt zu den bedeutendsten Leistungen in der Bau- 
kunst gehören. Welchl grossartige, charakteristische, in den rein- 
sten Formen architektonischen Ebenmasses gehaltene Werke dieser 
Art sieht man nicht nur an einem, sondern an vielen Orten. Dazu 
können sie die vollendetste Zweckmässigkeit zeigen, und wer 
kennt nicht die grosse Rolle, welche die Zweckmässigkeit, im 
Grunde auch nur durch Association, in der Aesthetik der Baukunst 
spielt. Doch mangelt dem Eindrucke dieser Gebäude immer etwas 
an der vollen Befriedigung und letzten Höhe; doch gewähren sie 
nie den erfreuenden Eindruck eincs Palastes oder erhebenden 
eines Tempels. Warum? Weil wir in ihnen den Schauplatz 
eines Trubels und geschäftsmässigen Treibens sehen, das uns 
missfällt. 
Was aber, kann man fragen, bedingt nach alle dem den 
grossen Reiz, den die Ruine eines alten Schlosses, einer alten Burg, 
einer alten Kirche  denn die Ruine einer Hütte oder der Ruin 
eines neugehauten Haus   tis nicht  einer Landschaft zu er- 
theilen vermag? Erinne icht an Zerstörung, Verfall von etwas 
Beichen,.Külinen, Grosse "Heiligen? und sind das nicht miss- 
fallige Erinnerungen"? Doch können es nur lärinnerungen, mit- 
hin Associationen, sein, die diesen Reiz zuwege bringen; denn 
jeder wird zugeben, dass er nicht am directen Eindrucke der Form, 
und Farb-e der Ruine hängen kann. Ja, nichts ist geeigneter, die 
Macht des associativen Factors im landschaftlichen Eindrucke zu
	        
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