Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1360740
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dicscm Gebietegrössere Bedeutung. Kehrt man das schönste Ge- 
mälde um, so bleiben die inneren Verhältnisse desselben, von wel- 
chen der directe Eindruck abhängt, noch dieselben, aber das Ge- 
fallen daran hört auf, weil die Associationen, welche dem Bilde erst 
die höhere Bedeutung geben, nur an der aufrechten Lage haften ; es 
wäre denn, dass man vermöchte, die aufrechte Lage in der Vor- 
stellung aus der umgekehrten zurückzuconstruiren. S0 bunt ein 
Bild dem sinnlichen Auge erscheinen mag, in ganz andrer Weise 
bunt erscheint es durch seine Associationen; hierin findet der 
Geist erst den höheren Reiz, und ist die einheitliche Verknüpfung 
des Ganzen zu suchen und "zu finden. 
Auch die Poesie gipfelt im associativen Factor, denn der Sinn 
des Gedichtes ist nur angeknüpft an die Worte; und Versmass, 
Rhythmus, Beim gewinnen erhebliche Bedeutung nur nach Mass- 
gabe als sie hierein eingehn, was nicht hindert, dass sie doch 
nach dem Hülfsprincipe viel zur Stärke des asthctischen Ein- 
druckes beitragen. 
Aber man würde irren, eine gleich überwiegende Bedeutung 
des associativen Factors in allen Künsten wiederfinden zu wollen. 
Vielmehr steht die Musik in dieser Hinsicht den bildenden Künsten 
wie der Poesie gegenüber, indem in ihr vielmehr der directe Fac- 
tor die Hauptrolle, der associative nur eine Nebenrolle spielt, wie 
näher in Abschnitt XIII zu besprechen; es ist eben nur sehr viel, 
nicht Alles auf den associativen Factor zu legen. 
Im Streben, einheitliche Principien aufzustellen, hat man 
mehrfach den Haupteindruck des Gemäldes in demselben Sinne 
von dem direct auffassbaren so zu sagen musikalischen Eindrucke 
seiner Formen und Farben abhängig machen wollen, als den der 
Musik selbst von der Beziehung zwischen Tönen und zwischen 
Tonverlnindungen; aber die Malerei ist in dieser Beziehung ver- 
wandter mit der Poesie als Musik, obschon nicht in jeder Be- 
ziehung vergleichbar, worauf in Abschnitt XI mit einigen Betrach- 
tungen zu kommen. Umgekehrt hat man auch den Haupteindruck 
der Musik auf Association zurückführen wollen, aber hiemit das 
Unterscheidende der Musik von Malerei nur von entgegengesetzter 
Seite aufgehoben. 
An sich freilich ist das Streben gerecht, alle Künste so zu 
sagen unter einen Hut zu bringen; aber man verfehlt den Ein- 
heitspunct, wenn man ihn da sucht, wo vielmehr das Unterschei-
        

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