Volltext: Vorschule der Aesthetik (Theil 1)

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bei den philosophisch geschulten Kennern, deren Gedankenkreise 
er zu stören drohte, und ein Abdruck davon in der Lützow-See- 
mandschen Zeitschr. f. bild. Kunst (4866. 479) wurde vom Heraus- 
geber anmerkungsweise als ein noriginellem Versuch, Deine neue 
Gottheit in die Aesthetik einzuführena, bezeichnet. So wenig neu 
und originell nun auch das Princip wirklich ist, so dürfte doch 
eine etwas eingehendere und nachdrücklichere Vertretung dessele 
ben in der Aesthetik, als ihm bisher zu Theil geworden ist, am 
Platze sein. Und so will ich gegenüber der seither vorherrschen- 
den Nichtachtung und Missachtung desselben zu zeigen suchen, 
dass so zu sagen die halbe Aesthetik daran hängt, nachdem übri- 
gens schon früher Lotze sogar fast die ganze Aesthetik davon ab- 
hängig gemachtii); aber weil er kein System, sondern blos eine 
Geschichte der Aesthetik und einige ästhetische Essayisxi) gegeben, 
keine Gelegenheit gefunden oder genommen hat, das Princip so 
eingehend zu entwickeln, als hier geschehen wird. 
Zwar verstehe ich eine so weit gehende Abhängigkeit nur 
aus gewissem Gesichtspuncte. Es kreuzen sich aber mancherlei 
allgemeine Gesichtspuncte in der Aesthetik, von denen sie sich 
halb oder mehr als halb abhängig machen liesse; und es wird 
nichts hindern, diesen anderwärts mit anderweiten Betrachtungen 
gerecht zu werden.  
Unserm Gange von unten gemäss heben wir wieder mit der 
Erläuterung an einfachsten Beispielen an. 
Beispiele. 
Unter allen Früchten vielleicht die schönste, oder, wenn man 
den Ausdruck schön zu viel findet, für das Auge reizefldste dürfte 
die Orange oder Apfelsine sein. Früher War diess sogar noch 
mehr als jetzt der Fall, WO sie sich auf allen öffentlichen Verkaufs- 
lischen ausgelegt, bei fast jeder Mittagstafel zum Dessert findet: 
denn jeder Reiz stumpft sich durch seine Häufigkeit ab. Ich er- 
innere mich aber wohl, welchen so zu sagen romantischen Beiz 
i 
i") Diess in sofern, als er selbst die Hauptwirkung der Musik einer allerdings 
sehr weiten Fassung des Principes unterordnet, bis wohin ich meinerseits seine 
wesentliche Tragweite nicht erstrecken möchte. (Vgl. S. 409 u. Abschn. XIII.) 
H) Ueber den Begriff d. Schönheit und über die Bedingungen der Kunst- 
schönlmeit. 4845 und 4847. Göttingen. Vandenhoeck und Buprecht.
	        
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