Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorschule der Aesthetik
Person:
Fechner, Gustav Theodor
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1359184
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1360439
Aöstheüsches 
Assoeiationsprixlcip. 
Eingäng- 
 Unter Associationsprincip verstehe ich ein Princip, dessen 
Wichtigkeit und Tragweite in der Psychologie längst bekannt und 
anerkannt, in der Aesthetik aber bisher im Ganzen wenig gewür- 
digt ist. Es wäre zu viel gesagt, dass es gar nicht darin gewürdigt 
sei; ja wie könnte es für die Aesthetik wichtig sein, wenn es nicht 
seine Wichtigkeit darin auch schon geltend gemacht hätte. In der 
That werden Leistungen des Princips überall anerkannt, weil sie 
überall auftreten, ohne freilich damit das Princip, woraus sie 
tliessen, klar zu erkennen oder anzuerkennen. Man erinnert sich 
wohl seiner aus der Psychologie in der Aesthetik, aber vielmehr 
um es aus der Betrachtung des Schönen, als sich ungehörig in 
dieselbe einmengend, zu eliminiren, als zu seiner Erläuterung zu 
verwenden. Es ist wahr, die Engländer Locke, Home, Sayers, 
unter den Deutschen Oersted, vor Allen Lotze, haben ihm 
auch als ästhetischen Princip eine grössere und gerechtere Beach- 
tung geschenkt; aber nichts davon hat bei uns durchgeschlagen; 
nur die Vernachlässigung und Verwerfung davon hat bei uns 
durchgeschlagen. Kant hat in seiner Lehre von der sog. an- 
hängenden Schönheit des Principes nur gedacht, um es in Sachen 
der reinen Schönheit ausser Credit zu bringen, hat seine Nach- 
folger darin gefunden, und nachdem man es von dieser Seite für 
abgethan erklärt, hat man sich auch von dieser Seite nicht weiter 
darum gekümmert. Schelling, Hegel und ihre Nachfolger haben 
es von vorn herein nicht gethan; man könnte nach ihnen glauben, 
es existire überhaupt nichts der Art. Was Herbart über das Prin- 
cip sagt (s. N0. M), hat nur zur Missachtung desselben beitragen 
können. Kein Wunder, wenn hienach auch die Kunstkenner und 
Kunstschriftsteller, die von den Philosophen abhängen, nichts 
davon wissen oder wissen wollen; vollends die Künstler und 
Kunstlaien, die wieder von diesen abhängen. In der That, als ich 
im Jahr 4866 im Leipziger Kunstverein einen Vortrag über das 
Princip hielt, dessen wesentlichen Inhalt man im Folgenden, nur 
etwas erweitert, wiederfindet, erweckte er das Interesse der Laien, 
als würde darin etwas zugleich Problematisches und Neues, was 
sich aber doch hören liesse, dargeboten, machte ziemlich Fiasco
        

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