Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die materielle Dauerhaftigkeit der Oelmalereien
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1354088
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1355251
Eingeschlagenes der Oelmalerei, durch einen Firnissüberzug 
beseitigen, sondern es durchsetzt die ganze Schicht der Farbe. 
Die eklatanten und feinen optischen Unterschiede deckender, 
halbdeckender und transparenter Töne, mittelst deren die 
glänzende Oelmalerei des van Eyck ebensoviele Unterschiede 
von Lichterscheinungen der Natur treffender nachahmt, als 
irgend eine andere Farbentechnik es vermag, sind so gut, wie 
aufgehoben; die rationelle Oelmalerei ist sehr irrationeller Weise 
just dessen beraubt, was ihr Wesen und ihren Hauptvorzug 
ausmacht und um dessen willen sie von so grossen Meistern 
erfunden und ausgebildet ward. 
Die Oelfarben sollen nach Fernbach und den sich auf ihn 
berufenden Fabrikanten durch den Wachszusatz mehr "Consistenz" 
oder Körperhaftigkeit gewinnen; aber auch dies ist lediglich 
eine T äuschung. Sie bekommen durch das dickliche, unge- 
schmeidige Gerinnsel bloss eine gewisse Stockigkeit im Auftrag, die 
nur den Freunden eines etwas klobigen Impasto willkommen sein 
kann. Allein die wahre Körperhaftigkeit der Oelfarben besteht in 
dem Vollgehalt an F arbenpulver, d. h. in der Stärke der Propor- 
tion, in der das färbende Princip neben dem farblosen, bloss durch- 
sichtigen Bindemittel vorhanden ist. Diese wahre Körperhaftig- 
keit kann durch das farblose Wachs unmöglich vermehrt, sondern 
im Gegentheil nur entnervt und geschwächt Werden. Denn, 
wo sich die genügende Quantität Farbenpulver im Gemenge 
befindet, da ist dies Gemenge auch für den Vortrag steif und 
consistent genug. Wo das Gemenge hingegen durch Ueber- 
schuss von Oel für den Vortrag zu flüssig und an F arbenkörper 
zu arm ist, da wird der Gerinnselzusatz mit seiner farblosen und 
trügerischen Substanzialität den schon zu reichlich vorhandenen 
farblosen Bestandtheil des Gemenges nur noch vermehren und 
den Platz rauben, den der Farbenkörper, um dem Gemenge 
die richtige wuchtige Consistenz zu geben, von Rechtswegen 
einnehmen sollte. Freilich merkt, wer unachtsam darauf los 
malt, den Schaden nicht sofort. Denn, wenn die Farben eben 
frisch aufgesetzt sind und nun in Folge des dicklichen Gerinnsels 
"stehen", wie der Kunstausdruck lautet, so haben sie ein ge- 
wisses leuchtendes Aussehen, weil die Wachspartikel die Farben-
        

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