Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die materielle Dauerhaftigkeit der Oelmalereien
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1354088
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1354995
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nicht gleichen Schritt haltenden Spannungsbewegungen einander 
durch Zerrung verletzen. 
b) Den Austrocknungsprocess des Oeles möglichst bald 
seinem Ende zuzuführen, ist also Wünschenswerth. Je rascher 
die Farben bei ihrer endgiltigen Festigkeit anlangen, desto eher 
lässt sich ohne Gefahr Schicht auf Schicht legen. Zu Be- 
schleunigung des Trocknens gibt es verschiedene Mittel. 
I. Man befördert den Zutritt des Sauerstoffs zum Oel, 
indem man die Malerei sowohl in der Untermalung, als in den 
Uebermalungen eher dünn, als dick im Auftrag führt und sie 
bei Sonnenschein, oder bei trocknem Wetter auch im Schatten 
der freien Luft aussetzt; im Zimmer bietet Bestrahlung durch 
offenes Flammen- oder flammendes Kohlen-Feuer einigen Ersatz 
hiefür,  nicht aber die Wärme geschlossener Oefen, die zu 
Nichts hilft. 
2. Man setzt dem als Bindemittel der Farben dienenden 
Oel schnell erhärtende Solidharze zu, und zwar, indem man 
dafür sorgt, dass sich deren Partikel chemisch mit den Oelpar- 
tikeln verbinden, nicht bloss äusserlich mechanisch zwischen 
denselben eingelagert sind. Während des Malens nimmt man 
dann, wo eine Verdünnung der Farben nöthig wird, gleichfalls 
kein reines Oel zu Hilfe, sondern mit Harz versetztes, oder so 
oft, wie thunlich, ätherische Oele. Durch diese Auskunftsmittel 
wird man die Theilhaberschaft des Oeles an der zur Bindung 
und Vertheilbarkeit der Farben erforderlichen "Flüssigkeit be- 
deutend schmälern können. 
c) Die schlimmsten Folgen wird die unter a. erwähnte ver- 
schiedenartige Spannung zweier Schichten hauptsächlich alsdann 
haben, wenn die obere Schicht die bedeutend rascher erhärtende 
ist; wie z. B. der Fall wäre, wenn die untere aus dick aufge- 
tragener, reichlichmit-Oel getränkter Farbe bestünde, nicht an 
der Sonne oder Luft gestanden hätte, und man sie binnen 
KufZem mit einer dünngeschichteten, firnissgetränkten Lasur 
überzöge. Diese letztere würde rasch in der Dimension er- 
härten, die ihr die untere Schicht zur Zeit des Auftrags 
geboten hat, und würde so die Unterlage von der Luft ab- 
sperren. Zöge sie sich dann noch weiter zusammen, als die
        

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