Volltext: Die materielle Dauerhaftigkeit der Oelmalereien (Theil 2)

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an Schiffen anbrachte und bei denen das Bindemittel der Farben 
verseiftes und dann mit Olivenöl zusammen geschmolzenes 
Wachs war, "der Sonne, dem Meerwasser und den Winden 
Widerstand leisteten". Man erwähnt hiebei aber nicht, dass 
den Alten ausser diesen Farben kein anderes Bemalungsmaterial 
zu Gebot gestanden haben würde, als dasjenige der Fresco- 
und Temperafarben, das sich denn allerdings sehr wenig zur Be- 
malung von Schiffsborden, -Schnäbeln und -Hintercastellen ge- 
eignet hätte. Des Plinius Ausspruch hebt also nur eine Eigen- 
schaft hervor, diejene NVachs-Oelfarben, den sonst gebräuchlichen 
Wasserfarben gegenüber, zur Bemalung von Seeschiffen tauglich 
machte, ertheilt aber nicht dem Wachs das Lob der Unver- 
gänglichkeit. 
Schliesslich weist man auf die Wohlerhaltenheit der aus 
dem afrikanischen Sand auferstandenen Gräberfunde von Ru- 
baijät hin, die uns endlich zeigten, welche unbehilfliche, 
kleinliche Pasten- und Spachteltechnik wir unter der vermeint- 
lichen monumentalen Enkaustik der Alten uns vorzustellen 
haben. Oder man zieht auch Bruchstücke enkaustischer antiker 
Architecturbemalungen und Anstriche mit heran, die sich tief 
unter dem Schutt von Tempel- und Pallastruinen intact erhielten. 
Allein unter so ganz abnorm günstigen Umständen der Auf- 
bewahrung und Abgeschlossenheit von allen zerstörenden Ein- 
Hüssen erhalten sich wohl auch Reste von Stoffen intact, die 
übrigens für nichts weniger, als sehr dauerhaft, bekannt sind. 
Wie geringfügig sind hingegen die Reste von Enkaustik an 
Architecturen und Statuen, deren Trümmer unter Weniger 
günstigen Verhältnissen bis auf unsere Zeit kamen! An offner 
Luft haben sich kaum kenntliche Spuren davon erhalten. Aus 
diesen Dingen schöpft man also nur unsichere Argumente für 
die Dauerhaftigkeit der Wachs-Oel-Technik. Auch die neueren 
Versuche der Wiederbelebung jener vermeintlichen antiken 
Wachs-NVandmalerei liefern keine sicheren Beweise, vielmehr be- 
stehen verschiedene der hier einschlägigen Nlethoden die Probe 
der Dauerhaftigkeit augenscheinlich schlecht. Ihre Leistungen 
zeigen sich zum Theil heute schon mit Rissen bedeckt und 
blättern vom Untergrund ab.
	        
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