Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die materielle Dauerhaftigkeit der Oelmalereien
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1354088
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1354712
hervorlaufen. Dies wäre nun zwar an sich kein Schaden, so 
lange, als die Tubenfarben nicht gar zu alt sind und, gut vor 
Luft und Licht geschützt, aufbewahrt wurden. Denn in solchem 
Falle ist die Oelaussonderung lediglich ein mechanischer Vor- 
gang; das Farbenpulver lässt den Ueberiitiss, den es nicht 
aufsaugen kann, wieder von sich, und bei chemischer Unter- 
suchung erweist sich dieses überschüssige Oel  unter der so- 
eben erwähnten Voraussetzung  unverändert so, wie es beim 
Zureiben zu den Farben gewesen war. Die Farben sind also 
nicht etwa in den Tuben verdorben.  Aber sie machen auf 
die Käufer, welche ein frisches, wohl conservirtes Material von 
fester, körperhafter Consistenz zu sehen wünschen, einen üblen 
Eindruck. Sie sind nicht "handelsfähig", wie der Kunstausdruck 
der Fabrikanten lautet. Und dem hilft nun eben jene vorer- 
wähnte Wirkungskraft" des Wachses und ähnlicher Gerinnsel auf 
das Effektvollste ab, denn man kann mit Hilfe dieser dicklichen 
Substanzen nicht nur überhaupt eine von allem Anfang her viel 
zu flüssige und oberflächliche Verreibung der Oelfarben ver- 
tuschen, sondern solch unsolides Material sogar 3-4, ja 7-8 
lahre lang auf Lager halten, ohne dass es das Aussehen einer 
gewissen Compactheit und folglich die Handelsfähigkeit einbüsste, 
und es wäre dies selbst dann noch der Fall, wenn in Folge 
schlechter Lagerung das in den Farben enthaltene Oel längst 
ranzig geworden wäre. 
Bis vor Kurzem haben die F arbenfabrikanten, die sich dieses 
Vortheils bedienten, den Malern gegenüber kein grosses Gerede 
davon gemacht, sondern das Geschäft mehr in der Stille be- 
trieben. Neuerlichst aber gestehen Einige die Sache nicht nur 
offen ein, sondern geben sie sogar für eine rationelle, wissen- 
schaftlich begründete Verbesserung der Oelfarbenfabrikation 
aus und berufen sich dabei wohl auf F ernbach, als wäre dieser 
eine wissenschaftliche Autorität.  Freilich darf ihr Publicum 
die betreffende Stelle in Fernbachs Buch nicht gar gründlich 
kennen, wenn es nicht zweiflerisch werden soll; denn an dieser 
Stelle heisst es (Seite 80), das zum Verreiben der Farben 
bestimmte Oel erscheine in_ Folge des Wachszusatzes 
weisslich und undurchsichtig, es müsse, um Durch-
        

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