Volltext: Die materielle Dauerhaftigkeit der Oelmalereien (Theil 2)

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Hier ist also der reine, scharf trocknende, weisse Oelfarben- 
grund ohne vorhergegangene Vergypsung, ja selbst ohne Leimung 
der Tafel. Das Holz dieser letzteren ist, wie man sieht, lauter 
hart- und dichtfaseriges mit nur geringen und kleinen Ritzen, 
sodass also die Vergypsung zu dem Zweck, der Oelfarbengrun- 
dirung eine ebene Unterlage zu verschaffen, unnöthig war. 
Das Heft, dessen erste Nummer die Anweisung bildet, ist 
von Lionardo im Jahre 1492 geschrieben. Es stammt demnach 
dieses authentische Zeugniss gegen den allgemeinen Gebrauch 
der Gypsgründe für Oelmalerei bei den älteren Schulen aus den 
ersten Jahrzehnten nach Einführung dieser Technik in Italien, 
also aus der brillantesten Epoche der Oelmalerei und von einem 
der grössten Meister in derselben her. Das Verfahren, die erste 
Aufzeichnung auf den weissen Grund mit einer dünnen, durch_ 
sichtigen Schicht von Oelfarbe zu überziehen, entspricht ganz 
dem bei van Mander erwähnten der altilandrischen Meister, nur 
dass diese den Ueberzug aus Carnatioilsfarbe, statt, wie Lio- 
nardo, aus Grün machtenx. 
Braununtertuschung des heiligen Hieronymus (Rom, Vaticanische Bilder- 
galerie).  Ebensolche Braununterluschung auf weissem Grund ist kenntlich 
in der früher Lionardo, jetzt Luini zugeschriebenen "Bescheidenheit und 
Eitelkeit" (Palazzo Sciarra, Rom). Besonders deutlich schimmert hier das 
Braun durch einige etwas dünn geführte Modellirungstöne in den Händen 
hervor.  Braun untertuscht auf weissem Oelfarbengrund ist auch Fra Bar- 
tolomäds grosse Madonna in trono (Florenz, Ufficien).  Aber das interes- 
santeste Beispiel von Führung der Arbeit in Oelfarbentechnik älterer Schule, 
das mir zu Gesicht kam, befand sich im Jahre 186i im Pnlazzo Altemps zu 
Rom. Es war eine herrliche altflämische oder altdeutsche Tafel, die Krippe 
mit der Anbetung der Hirten und der drei Könige darstellend. Der Grund 
war weisse Oelfarbe. Ein grosser Theil der Composition stand noch in 
wunderbar schön ausgeführter Braununtertuschung da. Bei einem anderen 
Theil war schon halbdeckfarbige Graumodellirung auf die Braununtertuschung 
aufgetragen. Und auf einem Theil dieser neutralgrauen Formenmodellirung 
war auch bereits die localfarbige Modellirung vorhanden. 
Warum überall, wo auf alten Oeltafeln Klarbruununtertuschung, oder 
auch Klaruntertuschung mit Ißcalfarben, kurz, überhaupt Lasurilntertuschung 
nachweisbar ist, von einsaugenden Malgriinden keine Rede sein 
kann, versteht jeder der Oelmalerei Kundige von selbst. 
I Siehe Eingangs dieses Capitels.
	        
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