Volltext: Die materielle Dauerhaftigkeit der Oelmalereien (Theil 2)

T87 
auf die Fläche der Tafelt könne man gar nicht genug Gyps 
geben. Man lässt es drei Tage lang austrocknen und schabt 
dann die Fläche mit dem eigens hierzu gehörigen, wie eine 
kleine Gärtnerhacke gestalteten Schabeisen glatt. 
Cap. 116. Hierauf erfolgen die Ueberzüge aus feinem 
Gyps. Dies ist der nehmliche Volterra-Gyps, nur, dass er min- 
destens einen Monat lang mit täglich erneutem reinem Wasser 
geschlämmt wurde, bis er alles Aufbrausende verloren hatte und 
„zart, wie Seide", War ;  was nehmlich bedeutet, dass er durch- 
aus gleichmässig fein sein und keine einzelnen gröberen Körnchen 
mehr enthalten sollte, die, wenn die Masse nach dem Auftrag 
auf die Tafel geglättet würde, unterm Schaben herausspringen 
und so kleine, oft sehr störende Löcher in der glatten Fläche 
zurücklassen könnten.  Nach dem Schlämmen wurde dieser 
feine Gyps in "Brode" geformt, die man trocken werden liess. 
Cap. 117. Solcher Brode schabt man soviele, als man 
zum Gypsen der Tafel braucht, zu Pulver und lässt dieses in 
einem reinen Gefass soviel Wasser, als es fassen mag, einsaugen. 
So mit Wasser gesättigt, reibt man den Gyps, ohne noch weiter 
Wasser hinzuzusetzen, mit dem Läufer auf der Porphyrplatte 
äusserst fein. Dann thut man diesen Brei in ein reines Leintuch 
und presst von dem Wasser wieder soviel aus, als möglich. 
Man schneidet aus dem noch etwas feuchten Gypskuchen feine 
Scheiben in eine reine Schüssel und giesst langsam und vorsichtig 
warmen, starken Leim darauf, bis Alles bedeckt ist. Dann 
mischt man sehr vorsichtig, den Gyps mit den Fingern sachte 
zerdrückend und knetend, so, dass kein Schaum entsteht, das 
Leimwasser zu dem Gyps, der nun in Folge des Quantums 
von Wasser, das er nach dem Auspressen im Tuche immer 
noch enthalten Wird, etwas schwächer mit Leim getränkt ist, 
als der zur ersten Grundirung verwandte grobe Gyps es war. 
Dies muss nehmlich desshalb der Fall sein, weil die obere Gyps- 
lage Sprünge bekommen wurde, wenn sie stärker geleimt wäre, 
als ihre Grundlage.  
I Zum Unterschied nehmlich von dem Schnitzwerk, das häufig auf 
solchen alten Tafeln vorkommt und natürlich nur schwach gegypst wird, 
damit die Formen nicht verloren gehen.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.