Volltext: Die materielle Dauerhaftigkeit der Oelmalereien (Theil 2)

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c) Mischung von Bleiweiss mit Zinnoberroth. 
Diese drei Pigmente enthalten nehmlich Schwefel und man 
nimmt an, derselbe könne sich von den Elementen, an die er 
daselbst gebunden ist, trennen und mit dem Bleiweiss die Ver- 
bindung zu (schrnutziggrauem) Schwefel-Blei eingehen. 
Bemerkung. Auf welche thatsächlichen Erfahrungen sich 
diese durch die malerische Praxis täglich widerlegte Annahme 
gründet, ist mir unbekannt. Vielleicht bezieht sie sich nur auf 
schlecht bereitete Sorten der genannten Farben, oder es kommt 
die Veranlassung dazu aus Merimee, de la peinture ä Phuile. 
Dort heisst es auf Seite 118, dass die besagte Trennung des 
Schwefels bei Mischung von Bleiweiss mit Orpiment (Schwefel- 
Arsenik) wegen der geringeren Afünität des Schwefels zum 
Arsenik eintritt. Das folgende Cetpitel handelt dann von Schwefel- 
Cadmium, das M. nur erst den Namen nach kannte. M. sagt: 
„Les chimistes qui ont prepare cette couleur l'ont annoncee 
comme tres solide. fignore si on l'a combinee avec le blanc 
de plomb. Il est ä craindre que, dans ce melange, le souffre 
n'abandonne le Cadmium pour s'unir au plomb. Si cette de- 
composition n'a pas lieu, ce serait une decouverte precieuse etc." 
Es ist dies also bei Merimee nur eine Befürchtung, ihm nahe 
gelegt durch den im Text seiner Schrift gerade vorausgehenden 
Fall und Gedanken. Bei der Besprechung des demselben Autor 
bekannten Zinnober's und Ultramarines dagegen kommt von 
Gefährlichkeit der Mischung mit Bleifarben Nichts vor.  Auch 
wird in Wirklichkeit in der heutigen Praxis der künstliche Ultra- 
marin fortwährend mit Bleiweiss gemischt, ohne dass bei Auf- 
bewahrung in gesunder Luft Bräunung einträte. Zudem ist der 
echte Ultramarin so gut eine Schwefelverbindung, wie der nach- 
gemachte. Aber man betrachte nur die vielen Hunderte herrlich 
hellblau leuchtender Lüfte auf alten Bildern, die ganz unbezweifel- 
bar aus Bleiweiss mit echtem Ultramarin gemalt sind. Ebenso 
kann man hundertfaltig auf alten Werken Zinnoberroth mit Blei- 
weiss gemischt sehen, oder Zinnober dessen Lichter mit Weiss 
gehöhet sind, wie z. B. vielfach bei den niederländischen Klein- 
malern, aber auch bei Correggio und noch Aeltereni, der Fall 
ist, ohne dass die Farben im Mindesten gelitten hätten.  In-
	        
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