Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die optischen Besonderheiten der Oelmalerei
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1352017
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1352991
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zu hart ist, um das Wasser in sich eindringen zu lassen, wird 
sich in dem Grad von Widerstand, den es als trockenes Pulver 
der Fortpflanzung des eintretenden Lichtstrahls bereitete, besser 
behaupten und ist es von Natur so beschaffen, dass sich das 
Licht überhaupt nur sehr langsam in ihm weiterbewegt, auch 
den im Wasser schon verlangsamten Strahl noch immer kräf- 
tiger reflektiren, so dass also solche hartkörnige Pigmente durch 
Verreibung mit Wasser, oder mit sonstigen das Licht verlang- 
samenden Medien weniger, als weichfaserige, an der Helligkeit 
geschädigt werden, die sie im Zustand der Trockenheit zeigten 
(siehe S 6) 1. 
Nun ist in F reskomalerei diese verschiedengradige Ver- 
dunkelung der Farben selbstverständlicher Weise nur von so 
langer Dauer, wie das Nassbleiben, und nach Verdunstung des 
Wassers stellt sich ein helles und stumpfes Aussehen  nur 
durch die erwähnte schwach-krystallinische Transparenz des 
Kalksinters um etwas gemildert  wieder ein. Allein alle 
Pigmente waren durch das Wasser weit besser und gleich- 
massiger vertheilbar geworden, als die trockenen Pastellfarben 
es sind, und zu besonders dünnen und gleichmässigen Lagen 
liessen sich natürlich diejenigen vermalen, deren Korn sich im 
Wasser am feinsten löste. In diesen besitzt also die Fresko- 
malerei zudem durchsichtigere Farben gegenüber den hartkör- 
nigeren, deckenden, ein Unterschied und Vortheil, über den das 
Pastell wiederum nicht verfügt. 
Da die Farben nach dem Auftrocknen anders aussehen, als 
in nassem Zustande, so muss der F reskomaler alle seine Misch- 
töne, ehe er sie aufmalt, genau auf ihr Aussehen nach dem 
Trocknen ausprobiren und ist dann beim Gebrauch an die Zahl, 
die er ausprobirt hat, gebunden, ähnlich, wie der Pastellmaler 
an die in seinen Stiften vorräthigen Farben. Allein er ist hiebei 
insofern weit freier, als er unter der Arbeit mit grösster Leichtig- 
keit immer neue Mischungs-Variationen nach Belieben und Be- 
dürfniss hinzufügen kann. Dann kann er diese Töne, solange 
der Bewurf feucht ist, mehrmals in Schicht übereinander legen 
Brücke, Physiologie 
l 
der Farben. 
und
        

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