Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die optischen Besonderheiten der Oelmalerei
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1352017
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1352551
als direktes, oder indirekt als Reflexlicht. So ist es theils in 
grösserer, theils geringerer Ausdehnung und Menge, in kraftigerer 
oder schwächerer Potenz vorhanden und diesen quantitativen 
Unterschieden der Lichtursachen oder -Quellen gemäss stellen 
die Körper sich bald heller, bald weniger hell beleuchtet dar. 
Heller oder dunkler erscheinen sie auch, jenachdem sie der 
Ursache ihrer Beleuchtung naher oder ferner stehen, oder jenach- 
dem ihre Flächen vom Lichtstoss vollkräftig unter rechtem Winkel 
getroffen, oder nur in obliquer Richtung gestreift, oder endlich 
nicht direkt erreicht werden können, weil sie entweder gänzlich 
vom Licht abgewandt sind, oder andere Opakkörper, sowie 
ihnen selbst zugehörige Ausladungen und Vorsprünge dasselbe 
von ihnen absperren. So sehen wir an den Körpern die ver- 
schiedenen Abstufungen von Lichtern, Halblichtern, Halb- und 
Vollschatten und da dieselben in Folge der verschiedenen 
Stellung der Körperflächen zur Beleuchtung entstehen, so helfen 
sie hiedurch dem Auge, die Form oder das Relief, die so- 
genannte Modellirung der Körper selbst zu verstehen. Auch 
die Lage oder Stellung einer einzelnen ebenen Fläche können 
wir noch zum Theil an der Lichtabtönung erkennen, d. h. an 
der grösseren oder geringeren Stärke, mit der die Flache das 
empfangene Licht von ihren verschiedenen Stellen her zum 
Auge reflektirt.  Zeigt sich aber ein Körper ohne Abstufung 
überall mit dem gleichen Licht- oder Dunkelheitsgrad ausge- 
stattet, so erscheint er  wenn nicht irgendwie an ihm fühlbar 
werdende perspektivische Linien über seine plastische Form 
Aufschluss geben  dem Auge platt, wie eine Ebene. 
Die Nachahmung der Unterschiede und des Falles von 
Licht und Schatten, oder das sogenannte Clair-Obscur ist neben 
der perspektivischen Zeichnung das mächtigste Mittel der Malerei, 
um auf der Malfläche den Anschein des Körperreliefs hervor- 
zurufen; von Lionardo begründet, hat sich eine eigene Lehre 
der perspektivischen Licht- und Schattenconstruktion ausgebildetl. 
1 Dieselbe liegt allerdings nur bruchstückweise behandelt vor und Lio- 
nardrfs umfassende Planung harrt noch der Ausführung. Die moderne Lehre 
der Licht- und Schattenconstruktion beschäftigt sich nur mit sogenannter 
gesperrter Beleuchtung und deren correkler geometrischer und perspektivi-
        

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