Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die optischen Besonderheiten der Oelmalerei
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1352017
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1353520
I2O 
und Hellstes im Bilde mit Zartlasuren über hellen Reflector 
zu malen sein. Daher lassen wir hier in der Grauuntermalung 
den weissen Malgrund unberührt stehen, oder geben demselben 
höchstens einen zart röthlichen oder gelblichen Ton mittelst 
einer Lage aus Firniss, in den ein wenig Neapelroth, oder auch 
Dunkelocker gemischt ist. 
Dem Baumgrün im Mittelgrund wird ein grauer Mittelton 
am besten als Unterlage dienen, auf dem die Schattentöne des 
Grüns mit massiger Schicht der dazu bestimmten halbdeckenden 
Grünmischung gemalt werden können-Wäre die graue Unter- 
lage zu dunkel, so würde die darüber gezogene massige Grün- 
schicht gleichfalls für die Stelle zu dunkel und zu farblos aus- 
fallen; oder aber es müsste dann das Grün in dickerer Schicht 
aufgetragen werden, so dass der Reiz des durchschimmernden 
Graues verloren ginge, mit ihm aber der leichte, luftige Charakter 
der Farbe und zugleich das saftige Aussehen derselben. Es 
würde bei dickerem Auftrag der Grünmischung ein schwerfälliges, 
festes, trockenes Grün resultiren, ebenso ungeschickt, das trans- 
parente Wesen saftigen, lockeren Baumlaubes zu charakterisiren, 
als die Vorstellung einer bereits mächtigen, lichtdurchströmten 
Luftschicht hervorzurufen, die in einer wirklichen Landschaft vor 
dieser Stelle lagern und mit ihrem Schimmer die Materialität 
hier befindlicher Körper umhüllen würde. Dieses lichtschim- 
mernde, luftige Wesen kann nur durch leichten, durchscheinenden 
F arbenauftrag einigermaassen nachgeahmt werden. Ein dickes, 
opakes, schwerfälliges Farbenimpasto erweckt die Vorstellung 
des Gegentheils. 
Ebenso, wie die Schatten dieses Baumgrüns, sollen also 
auch dessen Lichter mit mässigem, nicht den Eindruck der 
Schwerfälligkeit machendem F arbenauftrag gemalt werden können. 
Dies der zweite Grund, aus dem wir das Grau der Unterlegung 
hier nicht zu dunkel machen. Wir brauchen dann die deckende 
Lichtfarbe nicht sehr materiell und merklich aufzutragen. 
Die Carnation und die Kleiderfarben des jünglings dürfen 
wir dagegen mit kräftigerem Grau unterlegen. Denn hier haben 
wir mit kräftigen Farben des allernächsten Vorgrundes zu 
thun, die also auch kräftiger auf dem Grau zu schichten sind.
        

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