Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die optischen Besonderheiten der Oelmalerei
Person:
Ludwig, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1352017
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1353255
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Sehr wenig handlich erweisen, und dass endlich ein weisser, 
oder schwarzer Untergrund, wenn aus Wasserfarben gefertigt, 
beim nassen Auftrag der Streifen aufgeweicht werden müsste, 
ganz abgesehen davon, dass die schwarze Tafel sich in diesem 
Material gar nicht in solcher Dunkelheit und mit so lichtabsor- 
birender Kraft herstellen lässt, als in Oelfarben. 
Gerade den  auf den ersten Blick die Oelmalerei nach 
einer Seite hin benachtheiligenden  Umstand also, dass in 
Folge der dauernden Durchsichtigkeit ihrer Bindemittel keine ihrer 
Farben so deckend und so stark lichtreflektirend werden kann, 
wie das Weiss und die hellen Charaktere der Wasserfarben, 
sehen wir nun zur entscheidenden Ursache eines gewichtigen 
Vortheils werden. Das Weiss und alle Pigmente der Oelmalerei, 
die deckend und lichttragend sein sollen, versehen wir, erstens, 
mit nur gerade so viel von dem durchscheinenden Bindemittel, 
als zu ihrer Bindung noththut und setzen sie dann in dieser 
möglichsten Dichtheit und Deckkraft ihrer Substanz 'in hoher 
Schicht auf die Stelle des dunklen Untergrundes hin, wo sie das 
meiste Licht reflektiren sollen, dergestalt durch Dicke des Auf- 
trags, oder durch Tiefe der Schicht möglichst ersetzend, was 
das Farbenpulver durch die Transparenz des Oels an seiner 
ursprünglichen Reflexions- und Deckkraft einbüsste. Und wo 
das Pigment weniger Lichtquantität reflektiren soll, wenden wir 
lediglich durchscheinendere, dünnere Schichtung an  und hier 
ist es gerade die Transparenz des Bindemittels, die uns, wie 
die schwarze Tafel zeigt, unterstützt und die Absicht vollkommen 
mühelos erreichen lässt. Das Entsprechende ist auf der weissen 
Tafel für die mit der Schichtendicke allmählig ansteigende 
Verdunkelung der Licht absorbirenden Lasurpigmente 
der Fall, wo, Dank der Transparenz des Bindemittels, eine 
Dicke lichtverschlingender Schichtung ohne den Eintritt weiss- 
licher Trübung zugänglich wird, in welcher die Transparent- 
charaktere der Wasserfarben, wenn sie überhaupt so hoch auf- 
getragen werden könnten, vollkommene helle Reflektoren sein 
würden. Beiden Pigmentsorten aber, den deckenden sowohl, als 
den transparenten, können wir unterm Ausführen der in den 
auslaufenden Streifen beider Tafeln veranschaulichten Manipula-
        

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