Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. L. Bouviers Handbuch der Ölmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1346518
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1351439
Der französische Firnis. 
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Die Herstellung dieses Firnis (der fast überall nachgeahmt 
wird) ist in so fern bekannt, dafs jedenfalls ein Harz (Copal oder 
Mastix) in Alkohol aufgelöst worden ist. 
Das Nachdunkeln des auf den Firnis Gemalten wird wahr- 
scheinlich durch den vollständigen wenn gleich ganz dünnen Ab- 
schlufs gegen die darunter liegende Malerei verhindert, oder durch 
einen eigentümlichen Prozess des Öls, der beim Aufstreichen vor 
sich geht. Es stellt sich je frischer die Malerei ist, fiir eine kurze 
Zeit oft ein ganz weifslich trübes, milchiges Aussehen ein, das 
aber dann sehr bald immer verschwindet. Stets aber hat sich 
gezeigt und zwar ebenfalls um so starker, je frischer noch die 
Malerei unter dem Firnis war, dafs, wenn kleine Stellen zufällig 
oder zu einem Versuch absichtlich und etwa in einer bestimmten 
Form mitten in einer Partie nicht von Firnis bedeckt worden 
waren, die Übermalung, wenn sie auch aus einem und demselben 
Ton bestand, der auch gleichmäfsig mit demselben Pinselstrich auf- 
getragen war, doch in diesen nicht vom Firnis bedeckten Stellen 
um sehr vieles dunkler aufgetrocknet ist, was von dem Au- 
genblick sichtbar geworden, vwo die Farbe zu trocknen angefangen 
hatte.  
Der Auftrag dieses Firnis erfordert allerdings Aufmerksamkeit 
und Übung, besonders aber eine grofse Sorgfalt für gewisse Dinge, 
die sogleich naher angegeben werden sollen und deren Vernach- 
lässigung immer sehr grofse Nachteile für das Gemälde mit sich 
bringen würde. 
Jede Malerei, die man mit diesem französischen Firnis über- 
ziehen will, mufs mindestens so trocken sein, dafs sie den Hauch 
annimmt oder sich mit dem Finger betasten läfst, ohne zu kleben. 
Bestand diese Malerei aus wenig Farbe und mehr Öl als gewöhn- 
lich, welcher Art es sei, so ist ein genügender Grad des Trocken- 
seins um so nötiger, weil der aufserst schnell trocknende Firnis 
sonst leicht eine unzählige Menge kleiner Falten bildet, die das 
Aussehen von Sprüngen haben, thatsäichlich aber kleine Erhöhun-
        

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