Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. L. Bouviers Handbuch der Ölmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1346518
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1349411
Behandlung der Farben. 
Pinselfülmrung. 
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keit auf die wesentlichen Dinge, Zeichnung, Modellierung, Haltung, 
Farbe erleichtert. Es ist ferner darauf aufmerksam gemacht, dafs 
dieser dünnere Auftrag der Farbe durch das Durchscheinen des 
darunter befindlichen Tons der Farbe eigentümliche Reize verleiht. 
Durch dunklere Töne über hellere, andere durch etwas hellere 
über dunklere, andere durch wärmere über kältere und umgekehrt. 
 So richtig und beherzigenswert diese Vorschriften für die Er- 
reichung der damit zu erlangenden Wirkungen sind, so mufs doch 
ausdrücklich und namentlich für den Anfänger darauf hingewiesen 
werden, dafs die Erreichung des wesentlichen Zwecks der Arbeit 
die Natürlichkeit und Wahrheit der Form und der Farbe immer 
das Nächstliegende und Wichtigste ist und bleibt. Nur um sie voll- 
kommener und schöner herzustellen sind alle diese Bemerkun- 
gen gemacht und jene Ratschläge gegeben. War nun aber die 
Untermalung nicht zweckentsprechend und gut genug, die Lichter 
z. B. nicht hell genug, nicht genügend irnpastiert, die Lichtmasse 
nicht genug zusammengehalten, die Schatten zu schwarz und 
dunkel, die Zeichnung nicht richtig, u. dgl. m., so ist das Nach- 
holen, die Änderung dieser Dinge das Wichtigste und Notwendig- 
ste.  Immer bleibt richtig und ist empfehlenswert sich mit dünnem 
Farbenauftrag erst überall und in jeder Beziehung zurecht zu 
finden, dann aber wo notwendig und unbekümmert, ob es auch 
Übermalung ist, mit dickerem Auftrag hinein zu malen. Eines 
bleibt aber immer beherzigenswert für die Wirkung und nament- 
lich für die Dauerhaftigkeit der Gemälde,  eine gewisse Gleichartig- 
keit des Farbenauftrags für alles Licht, für die Schatten. Für 
ersteres ein stärkerer Farbenauftrag, für letztere ein dünnerer. 
Meister können durch überaus starken Auftrag der Glanzlichter 
bei glänzenden Gegenständen sehr starke und pikante Wirkungen 
hervorbringen, so dafs diese Stellen wirklich zu glänzen scheinen 
und wo dies an der rechten Stelle angebracht wird, ist es ja sehr 
empfehlenswert. Aber es gehört Sicherheit und Dreistigkeit dazu. 
Ehe also die erstere nicht vorhanden und die zweite nicht berech- 
tigt ist, wird eine sorgfältige und bescheidene Technik in dieser 
Beziehung die richtige für den Anfänger sein. 
Für die Pinselführung kann nur im Allgemeinen als 
Vorschrift wiederholt werden, was früher gesagt ist: Dafs sie
        

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