Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. L. Bouvier's Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1340265
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1345515
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Neunundzwanzigste Leotion. 
Das 
Firnissen. 
kurze Zeit sich oft ein ganz weisslich trübes, milchiges Aussehen 
einstellt, das aber dann sehr bald immer verschwindet. Stets aber 
hat sich Folgendes gezeigt und zwar ebenfalls um so starker, je 
frischer noch die Malerei unter dem Firniss war, dass, wenn 
kleine Stellen zufällig oder in einem Versuch absichtlich und 
etwa in einer bestimmten Form mitten inne nicht vom Firniss 
bedeckt worden waren, die Uebermalung, wenn sie auch aus einem 
und demselben Ton bestand, der auch gleichmässig aufgetragen 
war, doch in diesen nicht vom F irniss bedeckten Stellen um sehr 
vieles dunkler aufgetrocknet ist, was von dem Augenblick sicht- 
bar geworden, wo die Farbe zu trocknen angefangen hatte. 
Der Auftrag dieses Firniss ist freilich schwierig und unbe- 
quem und erfordert Aufmerksamkeit und Uebung, besonders aber 
eine grosse Sorgfalt für einzelne Dinge, die sogleich näher ange- 
geben werden sollen, und deren Vernachlässigung ausserst grosse 
Nachtheile für das Gemälde fast immer herbeiführt. 
Jede Malerei, die man mit diesem französischen Firniss über- 
ziehen will, muss mindestens so trocken sein, dass sie den Hauch 
annimmt oder sich mit dem Finger beiasten lässt, ohne zu kle- 
ben. Bestand diese Malerei aus wenig Farbe und vielem Oel, 
welcher Art es sei, so ist ein genügender Grad des Trockenseins 
um so nöthiger, weil der iiusserst schnell trocknende Firniss sonst 
leicht eine unzählige Menge kleiner Falten bildet, die das Aus- 
sehen von Sprüngen haben, eigentlich aber kleine Erhöhungen 
sind. Zugleich mag hier im Voraus bemerkt werden, dass, je 
frischer die Malerei ist, mit um so weicherem Pinsel und um so 
leichterem und leiserem Strich dieser Firniss aufgetragen werden 
muss, weil sonst leicht die Farben durch (lenselben aufgelöst und 
verwischt werden können, während es mit dieser Sorgfältjgsten 
Vorsicht sogar möglich wird, ganz kleine Stellen, die fast noch 
nass sind, mit ihm zu bedecken und so auch diese zu übergehen, 
obgleich das jedenfalls so viel als möglich Zu vermeiden sein wird. 
Es ist rathsam, das Bild vorher in der oben oft angegebenen 
Art zu waschen; dann aber hat man mit der sorgfältigsten Beob-
        

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