Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. L. Bouvier's Handbuch der Oelmalerei für Künstler und Kunstfreunde
Person:
Bouvier, Pierre Louis Ehrhardt, Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1340265
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1344340
Schweiz. 
der 
Schilderungen 
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sunken sind; sein Licht streitet mit dem der Sonne und scheint 
ihn als den König der Natur zu verkündigen. Allein bald wird 
auch er mit einem bleichen Schleier bedeckt, sein Glanz ver- 
schwindet, sein Anblick bietet nur noch "das Bild der Zerstörung 
und des Todes. Der Zuschauer wird ernst gestimmt, geräth in 
eine Art von Schwermutb, und denkt an die Nichtigkeit so vieler 
prächtigen Scenen, die in der Welt auch nur einen Augenblick 
glänzen. 
Aber lasst uns weiter gehen und die übrigen Gemälde be- 
trachten. Welch eine ungeheure Masse von Gebirgen, die amphi- 
theatralisch über einander gestellt sind! Von weitem gesehen, 
und nach ihrer bläulichen Farbe, sollte man sie für die Wogen 
eines stürmischen Meeres halten, dessen riesige Wellen sich bis 
zum Himmel aufthürmen.  
Sobald man aber ihnen näher kommt, verändert sich der 
Anblick: das Gemälde rollt sich auf; jedes dieser Gebirge bietet 
uns einen verschiedenen Anblick. Einige derselben, grün und 
leicht zugänglich, tragen auf ihren abgerundeten Seiten reiche 
Wiesen und zahlreiche Heerden, und unter grünen Wölbungen 
von dicklaubigen und sammetartigen Bitumen benetzen abwärts 
fliessende Bäche die Thäler und laden den Reisenden ein, da- 
selbst Schatten und Ruhe zu suchen. Etwas höher, an dem 
Abhange des Hügels, umgeben und beschatten anmuthige Grup- 
pen von Bäumen, in ungleichen Entfernungen zerstreut, die länd- 
lichen Dächer einiger bescheidenen Sennhütten 1); und weit über 
diesen krönen grosse Wälder düsterer Tannen die höchsten 
Spitzen der Gebirge.  
Weiter!  Betrachten wir das folgende Gemälde: eine 
andere Art der Natur, die auch ihre Schönheiten hat, stellt sich 
unseren Blicken dar; es sind dies die hohen und schroffen Felsen, 
deren zersplitterte Seiten nichts als Abgründe und. Tiefen bieten. 
Betrachtet einmal diese kahlen Felsen, wie ihre scharfen 
1) So nennt man in dem Lande die langen, ganz hölzernen Schuppen, in 
Welchen die verschiedenen Käse bereitet werden, und worin die Menschen, die 
ihn bereiten, und das Vieh, welches die Milch giebt, Schutz finden. Wenn 
die übßle Jahreszeit sieh nähert, so verlässt man die Sennhütten und steigt in 
die Ebene.
        

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